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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1889-01-01 · Heft 3 · p. Seite 382

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1889
Issue
Heft 3
Article
Zur Kritik der neuesten jüdischen Geschichtschreibung
Date
1889-01-01
Page
Seite 382 (sequence 10)
Language
German
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383 Geiger: Zur Kritik der neuesten jüdischen Geschichtschreibung. viele Aerzte. Wichtig ist der Nachweis, wie Witz und Mhstik jener Zeit mannigfache Anklänge bei den Juden haben, wie in den Fastnachtsspielen und in dem Schauspiel „Theophilus" die Juden dargestellt werden. (Für das letztere vgl. übrigens oben S. 298). Der sechste Abschnitt enthält fast ausschließlich deutsche Auszüge aus dem hebräisch geschriebenen „kleinen Buche der Frommen" über Liebe, Neid, Fröhlichkeit, böse Zunge u. s. w. und aus dem 1542 erschienenen jüdischdeutschen „Sittenbuche", der Paraphrase eines hebräisch geschriebenen Buches aus dem 14. Jahrhundert. Bei beiden Büchern sucht der Verfasser die Aehnlichkeit der Vorschriften über Tischzucht und gesellschaftliches Benehmen, allgemeiner Lebensregeln, mit damaligen deutschen Büchern durch zahlreiche Parallelstellen darzulegen. Das letzte Kapitel, welches einer Betrachtung der deutschen Juden in Oberitalien gewidmet ist, wird hauptsächlich wichtig durch den Nachweis, daß die Juden dort, wie ja auch vielfach sonst, als Germanisatoren wirksam gewesen sind. Wenn ich in den vorstehenden Bemerkungen die reichen neuen Mittheilungen des Güdemannschen Buches nach Gebühr hervorgehoben und die gelehrte Benutzung hebräischer Quellen, deren Controle im Einzelnen anzustellen ich freilich nicht in der Lage bin, betont habe, so kann ich doch andererseits viele Bedenken gegen das Buch nicht unterdrücken. Ich gehe kurz über mancherlei Kleinigkeiten und Flüchtigkeiten hinweg. So ist der Abdruck der Stellen aus der Autobiographie der beiden Platter (S. 59—61) nickt vollständig korrekt. S. 60 Anm. 5 hätte für den Ursprung des Wortes „Bacchant" von „daeekari" einfach auf Grimms Deutsches Wörterbuch verwiesen werden können. S. 6 heißt es in Melanchthons Aeußerung gewiß „Bauch" und nicht „Brauch", S. 70 ist natürlich „Freiburg", nicht „Freiberg", S. 72 „Jckelsamer", nicht „Jekelsamer" zu lesen. S. 59 Anm. muß es natürlich „Autobiographien" heißen, und was derartiger Flüchtigkeiten mehr sind. Wenn es S. 65 heißt „lerevtlum (das Schulbuch des Mittelalters)", so ist das eine mindestens irreführende Ausdrucksweise. Daß der Name Möllin von Mosche stammt (S. 17 und dasselbe S. 106, wie denn überhaupt derartige unnöthige Wiederholungen leider in dem Buche sehr häufig sind), scheint mir undenkbar; ich möchte eher an Mülheim denken. Sollte die Frau Doctor Morada (S. 118) vielleicht die berühmte Olympia Morata sein? Die Aeußerung Luthers (S. 127) scheint mir falsch aufgefaßt. Sie soll gewiß nicht bedeuten, daß es in allen Städten damals Juden gab, sondern daß es irgend einmal in diesen Städten Juden gegeben hat. S. 133 muß gewiß ein Mißverständniß vorliegen, denn es ist doch wohl undenkbar, daß eine Gans nur den fünften Theil des Preises einer Leber gekostet haben soll. S. 141 Anm. steht „Wirthschaft" natürlich nur in der Bedeutung von Festlichkeit. Der ganze Abschnitt über Johannes Pauli (S. 160 fs.), ebenso die Folgerungen Gs (S. 201 ff.) hätten weggelassen werden müssen, da Pauli, wie erwiesen ist — das hätte G. wissen müssen — gar kein Jude war (s. oben Bd. II, S. 350 fg.). Auch über das Wortspiel „bessern" und „bösern" will ich bemerken, daß es am Ende des 18. Jahrhunderts auch noch von Christen

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