Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Kritik der neuesten jüdischen Geschichtschreibung
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 381 (sequence 9)
- Language
- German
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Geiger: Zur Kritik der neuesten jüdischen Geschichtschreibung. ZF1 die deutschen Vor- und Zunamen der Juden werden behandelt, Mittheilungen über KleiderLrachL, Essen, Belustigungen, das Spiel u. s. w. werden in reicher Fülle gegeben. Ueber einen Haupttheil des fünften Abschnitts kann ich kurz hinweggehen; die Mittheilungen der christlichen Schriftsteller über Juden habe ich in meinem Aufsatz „Die Juden in der deutschen Literatur des 16. Jahrhunderts" (vgl. diese Zeitschrift, Bd. II, S. 308-374, Bd. III, 104 fg. 295—298), der fast gleichzeitig mit dem Güdemann'schen Buche erschien, weit reichhaltiger gegeben. Daß freilich Güdemann hier wie auch sonst (vgl. unten) den Schwankerzähler Hans Wilhelm Kirchhof und andere Schriftsteller, die dem 16., ja wie der eben genannte sogar der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts angehören, als Quelle für die Zustände des von ihm dargestellten Zeitraums ansührt, ist gewiß nicht zu billigen. Zweck des Güdemannschen Buches aber ist nicht, wie dies mein alleiniger Zweck war, die Quellenstellen selbst anzuführen, sondern vor allen Dingen der, die Betheiligung der Juden an der deutschen Litteratur, der Entwicklung mannigfacher Zustände in Deutschland hervorzuheben. Demgemäß thut er in besonders interessanter Weise dar, wie deutsche technische Ausdrücke in jüdischen Schriften begegnen (S. 162), wie Juden als Theilnehmer an ritterlichen Uebungen, an öffentlichen Aufzügen bei der Krönung und Hochzeit des Königs Matthäus Corvinus von Ungarn sich betheiligen. Vereinzelt sind die Juden auch Handwerker, wenige Bettler, manche Wucherer, — aber der Wucher wird keineswegs ausschließlich von ihnen betrieben —, Sohn, der wahre, verheissene vnnd gesandte Meßias sey. Wider alle noch jetziger Zeit verstockte vnd verfluchte Juden, deren vor dem Paradieß angebundener Meßias noch kommen vnd sie aufs einem Esel hinter ihm durch den Jordan sühren sott. Darbey auch angehängt von deß Machomets vnnd aller Türcken Vrsprung, Glauben vnd Gottesdienst, weil dieselbe mit den Juden zweyer Geschwister Hurenkinder geboren sein. Mit allerley Exempeln, lustigen Historien vnd Jüdischen Fabelwerck, auch fürnembsten Geheimnussen, welche sie für den Christen mit solchem Fleiß enthalten, daß sie viel lieber Todts stürben, denn sich die absragen liessen. Auß langwiriger Erfahrung zusammen bracht. Durch einen getaufften Juden, Drns8tnm ^sräinanäum L6886N, Der Artzney Doctor. Gedruckt zu Straßburg, durch Antonium Bertram 1606. A bis K a 8 Bl. in 8"" (Verl. k. Bibl.) wird Blatt G 1 A ein Lied mitgetheilt, das angeblich bei einer jüdischen Wöchnerin von einer „alten Zauberin" jede Nacht gesungen wird, während die Sängerin ein bloßes rostiges Schwert in der Hand tragt. Die Verse lauten: „Ich mach einen Kreyß Den Gott wol weiß, Auß vnd ein zu tragen, Gott behüt Mutter vnd Kind sür schaden, Gott behüt die Mutter vnd das Kind, Sampt dem gantzen Haußgesind, Als mancher Ziegel aufs dem Dach, Als mancher Engel bey uns wach. Das werde war, in Gottes Nammen, Amen." Vielleicht geben Kundigere mir an, ob diese Mittheilung irgendwie auf einem wirklichen Gebrauch beruht oder durch welches Mißverständniß sie hervorgerufen worden ist. Zu den Gebräuchen bei der Geburt gehört auch der „Hollekreisch" bei der Namengebung. Die Deutung Güdemanns „Ausrufung eines holden Namens" befriedigt nicht. Weit besser ist die Erklärung von Perles (Grätz-Jubelschrist S. 26 fg.), welche kreisch — Kreis annimmt, mit Holle Hulda identificirt. Zeitschr. f. d. Gesch. d. Juden i. Deutscht. III. 25