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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1889-01-01 · Heft 3 · p. Seite 380

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1889
Issue
Heft 3
Article
Zur Kritik der neuesten jüdischen Geschichtschreibung
Date
1889-01-01
Page
Seite 380 (sequence 8)
Language
German
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380 Geiger: Zur Kritik der neuesten jüdischen Geschichtschreibung. Rabbi" gedacht wird. Daß wirklich ein solcher, wie Güdemann es darstellt, das ihm zu Theil gewordene Dekret „einfach in seinen Papierkorb geworfen und niemals versucht habe, auch nur die leiseste Anwendung davon zu machen" (S. 37), scheint mir freilich unmöglich, selbst dann, wenn man die Abneigung der Juden gegen Einmischung der Behörden in ihre Angelegenheiten und ihre Auffassung von der Unantastbarkeit der Raöbinerwürde zugiebt. Güdemann stellt sodann dar, wie der Rabbiner in jener Zeit von jüdischer Seite dadurch eine Anerkennung erhielt, daß der von Meir Halewi gegebene Morenu-Titel allgemeine Einführung erlangte, daß zu den Erwerbsquellen des Rabbiners Heirathsvermittlungen, Scheidungen, Trauungen, Gemeindesekretariat gehörten, daß sein Amt in Lehrvorträgen, gelegentlich auch in der Thätigkeit des Vorbeters bestand. Dem von den Rabbinern ertheilten Unterricht, ihren Lehrvorträgen, den Schulen und den Schülern ist das dritte Kapitel gewidmet. Die Bachurim, welche den Bachanten verglichen werden, wobei freilich zu bemerken ist, daß die Wanderung der ersteren auf einen verhältnißmäßig sehr kleinen Raum beschränkt blieb, die der letzteren dagegen wirklich Deutschland in seiner ganzen Ausdehnung galt, während andererseits eine starke Ähnlichkeit zwischen beiden darin bestand, daß diese wie jene bei dem Mangel an gedruckten Büchern die Vorträge der Meister nachschrieben und die Abschriften verbreiteten, werden eingehend geschildert. Lehrer und Schüler beschäftigten sich mit deutscher Sprache: In Gutachten finden sich z. B. Untersuchungen darüber, ob Rothenburg mit zwei „n" und einem „g" oder einem „n" und „ch" zu schreiben sei, Betrachtungen über die verschiedene Aussprache des „h" (gleich „he" und „ch", sodaß man die Deutschen geradezu in Hethiten und Chetiten unterschied) oder über die Vertauschung von „b" und „p". Die Talmudschulen (Jeschiba's) pflegten den Talmudunterricht, setzten bei dem Lehrer besondere Belesenheit und Scharfsinn voraus, und wenn auch der Autoritätsglaube nicht verlangt und geübt wurde (vgl. besonders die sehr merkwürdige Aeußerung S. 83), so herrschte große Ehrerbietung der Schüler vor den Lehrern. In einem vierten Kapitel wird die Verwaltung der Gemeinde geschildert, die Thätigkeit des Vorstandes, manches Rühmliche von derselben berichtet, aber auch die Klagen gegen den Vorstand und mannigfache Aeußerungen des Unmuths über verwirrte und wenig erbauliche Gemeindezustände nicht verschwiegen. Das Familienleben wird dargestellt, das respektvolle Benehmen der Gatten gegen einander, die gegenseitige Anrede mit „Ihr" (die Frauen der Rabbiner helfen ihren Männern bei ihrer Correspondenz, besonders bei der Beantwortung von Anfragen der Frauen über geschlechtliche Angelegenheiten), die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern, die Gastlichkeit, die Gebräuche bei Geburt eines Kindes^), bei Sterbefällen,!) Die Nacht vor der Beschneidung eines Kindes wird als Wachnacht bezeichnet (vgl. S. 103, wo die einzelnen Gebräuche, insbesondere das Bemühen, zu verhindern, daß das Kind behext würde, dargestellt werden). Dazu möchte ich folgenden Zusatz machen. In einer seltenen Schrift, deren ausführlicher Titel lautet: ,MaS6lluni ^uäaeoruia. Juden Geisse!, Das ist. Ein neve sehr nutze vnd gründtliche Erweisung, daß Jesus Christus Gottes vnd der heiligen Jungsrawen Marien

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