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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1889-01-01 · Heft 3 · p. Seite 379

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1889
Issue
Heft 3
Article
Zur Kritik der neuesten jüdischen Geschichtschreibung
Date
1889-01-01
Page
Seite 379 (sequence 7)
Language
German
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Geiger: Zur Kritik der neuesten jüdischen Geschichtschreibung. 379 welche gegenwärtig Fabriken besitzen oder große Güter erworben haben. Endlich ist das spezifisch Wienerische gar zu sehr ausgeprägt, und man kann doch wohl zweifeln, ob jeder, der sich über die Kulturgeschichte Oesterreich-Ungarns in den letzten 40 Jahren unterrichten will, mit besonderem Interesse ein halbes Dutzend Seiten über den israelitischen Jugendgottesdienst in Wien lesen möchte. Das vierte Kapitel endlich giebt wichtige und interessante Aufstellungen über das Finanzwesen der Gemeinden, über ihr Verhältnis zu den Rabbinern und über die Sorge der Gemeinden für Unterricht, Gottesdienst und wohlthätige Werke. Das Ganze ist ein lesenswertes und wohlunterrichtendes Buch, das man, einzelne kleine Ausstellungen abgerechnet, als eine ebnso verständige wie gewissenhaste Arbeit bezeichnen kann, welche den vielen früheren tüchtigen Arbeiten des bewährten Mannes sich würdig anreiht. Bei der Besprechung der augenblicklichen Wiener Gemeindeverhältnisse giebt Wolf ausführliche biographische Daten z. B. über die gegenwärtigen Vorsteher der jüdischen Gemeinde und kürzere über Güdemann. Dabei braucht er über den Genannten folgende Worte: „Abgesehen von sonstigen Schriften, die er veröffentlichte, sichert ihm das Werk: „Erziehungswesen unter den Juden :c.", von welchem jüngst der dritte Band erschien, einen bleibenden Platz in de Literatur. Dasselbe bezeugt nicht nur die große umfassende Gelehrsamkeit des Verfassers auf jüdischen, wie auf dem allgemeinen Gebiete der Wissenschaft, es ist auch in vortrefflicher Weise geschrieben, so daß jeder Gebildete dasselbe mit Interesse lesen kann." Auch in der deutschen Literaturzeitung, 18. August 1888, S. 1181, hat Wolf dem Werke eine außerordentlich anerkennende Besprechung gewidmet und besonders aus einzelne Partieen aufmerksam gemacht, welche auch dem Germanisten von hohem Interesse sein müßten. Ich will untersuchen, ob dieses Urteil gerechtfertigt ist. Das Güdemannsche Buch ^) ist jedenfalls das Werk eines höchst gelehrten Mannes, für uns doppelt werthvoll, weil es Quellengebiete benutzt, welche bisher von den Historikern, selbst von den jüdischen Geschichtsschreibern der Juden, so gut wie gar nicht zur Bearbeitung herangezogen worden sind. Güdemann bedient sich nämlich zu seinen Ausführungen in erster Linie der Gutachten der Rabbinen und der sonstigen hebräischen Literatur jenes Zeitraums. Der vorliegende Band, der die Geschichte des Erziehungswesens und der Cultur der Juden in Deutschland geben soll, ist in sieben Kapitel getheilt. Das erste enthält Mittheilungen über die hauptsächlichsten Gelehrten jener Zeit, vor allem Maharil und Jsserlein, und sucht namentlich dem letzteren, einem ungemein gelehrten, dazu auch toleranten Mann (vgl. S. 52) durch liebevolle Schilderung seines Wesens, seiner Thätigkeit und Umgebung gerecht zu werden. Das zweite Kapitel enthält eine Auseinandersetzung über Amt und Thätigkeit der Rabbiner, wobei auch gelegentlich der Institution des „obersten i) Vrgl. den ausführlichen Titel desselben Zeitschr. II, S. 373 und zwei berichtigende Notizen oben (Bd. III) S. 64 und 103.

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