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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1889-01-01 · Heft 3 · p. Seite 377

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1889
Issue
Heft 3
Article
Zur Kritik der neuesten jüdischen Geschichtschreibung
Date
1889-01-01
Page
Seite 377 (sequence 5)
Language
German
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Geiger: Zur Kritik der neuesten jüdischen Geschichtschreibung. Z77 Werken andererseits, ergiebt sich nun freilich der unangenehme Umstand, daß Wolf allzuhäufig auf sich verweisen ^) und Dinge wiederholen muß, die er in anderweitigen Veröffentlichungen des breiteren ausgeführt hat. Ein anderer Uebelstand ist, daß Wolf bei dem Abdruck, namentlich aber bei der kurzen Erwähnung der benutzten Aktenstücke keineswegs immer den Fundort angiebt, aus welchem er dieselben geschöpft hat; für denjenigen, welcher nachprüfen will, oder der ähnliche Arbeiten später zu machen gedenkt, und daher aus denselben Quellen Weiteres schöpfen möchte, ergiebt sich daraus eine unangenehme Verlegenheit. Es handelt sich bei dieser tadelnden Bemerkung nicht etwa darum, die Glaubwürdigkeit des Verfassers anzutasten, — vielmehr ist dieselbe über allen Zweifel erhaben — sondern nur um eine einfache wissenschaftliche Forderung. Merkwürdige und auffallende Mitteilungen, wie etwa die Anfrage der preußischen Regierung bei der österreichischen im Jahre 1843 in Betreff der Judengesetzgebung (S. 24) dursten nicht unbelegt bleiben. Wenn an dem Buche ferner etwas auszusetzen ist, so ist es der Titel. Weder aus diesem nämlich noch aus dem Inhaltsverzeichnis würde man entnehmen können, daß es sich in dem Buche ausschließlich um die Geschichte der Juden handelt. Ein ausdrücklicher Hinweis selbst schon im Titel wäre doch wohl erforderlich gewesen, um bei denen, welche das Buch zur Hand nehmen, nicht falsche Erwartungen rege zu machen. Ein drittes Moment, das, dem Norddeutschen wenigstens, unangenehm entgegentritt, sind die vielfachen Austriacismen, besonders der fehlerhafte Gebrauch des Wortes „jene" für „diejenigen" und manches ähnliche; der vielfache Gebrauch von lateinischen und französischen Ausdrücken, wobei seltsame Fehler unterlaufen 2). Eine vollständige Analyse des Werkes soll hier keineswegs folgen, sie kann, in dieser ausschließlich der Geschichte gewidmeten Zeitschrift, schon aus dem Grunde nicht geboten werden, weil einzelne Partieen desselben die Gegenwart behandeln. Daher kann ich auch dem Verfasser nicht in dem folgen, was er über den Antisemitismus sagt, auch nicht den religiösen Standpunkt des Autors beurteilen, der im Ganzen eine zahme Mittelstellung zwischen den freisinnigen und den rückschrittlichen Bestrebungen ist. Deshalb bleibt das fünfte Kapitel, das „Sociale Stellung" überschrieben ist, in Wirklichkeit aber fast ausschließlich die augenblicklichen antisemitischen Bestrebungen in Wien behandelt, bei der folgenden Inhaltsangabe ganz außer Frage. Nur möchte ich darauf hinweisen, daß es doch wohl nicht 2) In einer Anmerkung wenigstens soll ans einen Umstand hingewiesen werden, der nicht so kleinlich ist, wie er auf den ersten Anblick erscheint. Wolf schreibt sehr häufig: „Wir haben gezeigt", „jetzt wollen wir darlegen"; könnte man — denn Wolf ist durchaus nicht der einzige Schriftsteller, bei dem dieser Gebrauch vorkommt — diesen seltsamen Gebrauch des Pluralis, der mit der sonstigen Bescheidenheit des Schriftstellers unverträglich ist, nicht aufgeben? Wolf citirt ferner häufig seine Schriften mit dem Zusatz: „meine". Warum nicht einfach: G. Wolf. Denn es klingt doch gar seltsam, wenn man liest: s. meine Judentaufen und Ähnl. 2) draenium Laeeu1ari8 (S. 88) und 1e vralsellMs (S. 167) sind gewiß Druckfehler, aber wozu war es denn nöthig, fremdsprachliche Worte und Sätze einzufügen? Auch der Plural „Fonde" (S. 56) gehört wol in die Zahl der nicht eben seltenen Druckfehler.

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