Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 3
- Article
- Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Juden im dreißigjährigen Kriege337
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 368 (sequence 32)
- Language
- German
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368 Kracauer: Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Juden Verarmung der Gemeinde betheuerten und zugleich die dem Kaiser bisher geleisteten Zahlungen hervorhoben, so wollte Johann von den Birgden an erstere nicht glauben, letztere aber fand er nicht so bedeutend, „daß die Juden sich jetzt damit beschönen konnten. Hohe und niedere Stände unter den Christen hätten dem Kaiser noch ganz andere Opfer bringen müssen". Eine Bittschrift der Juden an den Kaiser, die später durch einen Bericht des Rathes unterstützt wurde, ward vom Herrscher sehr übel vermerkt, und obgleich wir weitere Nachrichten nicht haben, so werden wohl auch diesmal die Juden, wie ihnen bereits von den Birgden vorausgesagt hatte, dem Kaiser nicht aus den Händen gegangen sein und wiederum einen Beitrag in seine erschöpften Kassen geliefert haben. Die Juden hatten nur 2 Jahre Ruhe. Ende März 1629 überbrachte Johann Wissenbach dem Rathe eine neue kaiserliche Commission'), kraft welcher er von den Juden die noch nicht gezahlte Kronsteuer im Betrage von einem Goldgulden pro Person und außerdem den noch jährlich zu entrichtenden Opferpfennig forderte. Als ihn der Rath aus seine Judenprivilegien aufmerksam machte, schnitt er jede Debatte hierüber mit der Bemerkung ab, alle derartigen Privilegien und Steuerbefreiungen seien von jetzt ab durch eine kaiserliche Entscheidung ein für alle Mal abgeschafft; alle Juden im Reiche würden unterschiedlos zu ihrer Schuldigkeit gegen den Kaiser angehalten; die nöthigen Mittel seien bereits vorhanden, selbiges zu Werke zu richten. Worin diese bestanden, sollten die Juden bald erfahren. Wissenbach las ihnen ein kaiserliches Rescript vor, welches die Schuldner der Juden anwies, nicht ihren Gläubigern, sondern dem kaiserlichen Commissar die ausstehenden Gelder auszuzahlen und ihm die bei den Juden aus Borg genommenen Waaren auszuhändigen, falls diese nicht sofort die Kronsteuer und den Opferpfennig erlegen würden. Unter solchen Umständen hielt es der Rath für besser, diesmal die Juden sich selbst zu überlassen So sahen sich diese genöthigt, in Unterhandlungen mit dem Kommissar zu treten. Sie verstanden sich zur sofortigen Zahlung von 3000 Gulden und erlangten dadurch die Aufhebung des auf ihre ausstehenden Schulden gelegten Arrestes. Die weiteren Abmachungen gaben bald zu Mißverständnissen Anlaß. Die Baumeister behaupteten, nach der Zahlung der Summe wäre ihnen versprochen worden, sie für die nächsten zwei Jahre, d. h. bis Mitte April 1631 mit jeder weiteren Forderung zu verschonen. Innerhalb dieser Zeit dürften sie eine Deputation nach Wien senden, um die Frage des Opserpfennigs und noch andere definitiv zu erledigen. Außerdem sei ihnen zugestanden worden, daß, wenn andere Juden im Reich von der Zahlung der beiden Steuern befreit wären, die Frankfurter Juden die 3000 Gulden wieder zurückerhalten sollten. Statt dessen wurden sie schon 1630 an die Zahlung des Opferpfennigs für das Jahr 1629 erinnert, da das im April mit ihnen abgeschlossene!) Brgm. 1629 März 28 und 31, April 13 und 15. 2) S. Brgm. 1629 März 31. Als die Baumeister den Rath baten, sich ihrer beim kaiserlichen Commissarius anzunehmen, beschloß er — „soll man es diesmal treiben lassen."