Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 3
- Article
- Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Juden im dreißigjährigen Kriege337
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 366 (sequence 30)
- Language
- German
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366 Kracauer: Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Juden bürg, Namens Lazar Brumen — mit dieser Forderung ab. Da erschien Reinhard von Walmerode als kaiserlicher Commissar Mitte August in Frankfurt. Er citirte „die ehrsamen, lieben Juden" resp. deren Bevollmächtigte auf den 21. August zu sich in das deutsche Haus „bei Strafe der höchsten Ungnade, Verlust ihrer Privilegien und des kaiserlichen Schirmes". Noch einen Versuch machte der Rath, die Steuer, in der er einen Eingriff in seine obrigkeitlichen Rechte sah, von den Juden abzuwenden. Seine Deputaten stellten Walmerode vor, daß der Kaiser ihre Privilegien, also auch die über ihre Juden bestätigt habe; nun habe sich die Stadt schon so viele Verdienste um Kaiser und Reich erworben, daß es wohl billig sei, sie in ihren Rechten nicht zu kränken. Erleide sie Einbuße an ihren Renten, so wäre sie nicht mehr im Stande, den allgemeinen Reichskontributionen zu genügen. Die Juden könnten übrigens jetzt keine pekuniären Opfer bringen, da sie, von allen Seitens in Anspruch genommen, kaum die städtischen Abgaben aufbrächten. Endlich, als Walmerode fest bei seiner Forderung beharrte, schlug der Rath ihm einen Ausweg vor, durch welchen er wenigstens seine oberhoheitlichen Rechte über die Juden zu retten suchte: er wollte dieselben veranlassen, dem Kaiser eine Summe zu bewilligen, zwar nicht als Opferpfennig, aber als Beisteuer zu den Kriegskosten. Walmerode erklärte sich damit einverstanden. „Wenn die Juden nur eine ziemliche Hilfe erlegten, so könne solches wohl mit Verschweigung des Opferpfennigs unter einem andern Namen, z. B. einer freiwilligen Steuer beschehen". Schließlich begnügte sich Walmerode mit 800 Thalern Dies fortwährende Pochen des Rathes auf seine Privilegien, auf welche gestützt derselbe jede Forderung des Kaisers an die Frankfurter Juden abwies, veranlaßte diesen, der Stadt zu befehlen, sämmtliche auf die Juden bezügliche Dokumente und Beschreibungen entweder in Originalen oder in beglaubigten Abschriften zur genauen Prüfung einzusenden. Boller Besorgnis über die noch nie dagewesene Zumuthung beauftragte der Rath am 8. Dezember 1623 seinen erprobten Agenten am Wiener Hof, Jeremias von Burgdorf, in der größten Verschwiegenheit nach der Ursache dieses Befehls zu forschen und, falls etwas Widriges und Beschwerliches darunter gesucht ') Kurz vorher (s. Brgm. 1623 März 4 und 6) hatte Tilly abermals von den Juden 6 Wagen und 25 Pferde verlangt. Sein Generalprofoß erklärte, so lange in der Stadt auf ihre Kosten zu bleiben, bis sie ihn befriedigt hätten. Der Rath zwang die Baumeister, die Lieferung zu leisten. >— Wenige Wochen später befahl Ferdinand II. den Juden bei hoher Strafe, dem Kurfürsten von Köln die sehr beträchtlichen Kosten der Kommission vom Jahre 1606 und 1607 zu zahlen. Damals waren nämlich die Frankfurter Juden „als die vornehmsten Rädelsführer" beschuldigt worden, ein hochstrafbares Bündniß mit gewissen Punkten errichtet zu haben (s. Untergew. 46 und Brgm. 1623 August 19). Aus dem Gemeindebuch S. 91 d und besonders 92 a erfahren wir aber, daß die Judenschast erst Frühjahr 1631 ernstliche Anstalten machte, die Schuld dem Kurfürsten abzutragen. 2) In der am 22. September 1623 hierüber ausgestellten Quittung erklärte Walmerode, daß die Juden ihm diese Summe trotz ihrer Immunitäten und der dem Kaiser bereits geleisteten Dienste zum Beweise ihres ferneren Gehorsams und schuldiger Treue gäben, aber ohne daß dies ihnen an ihrer angezogenen Pofsession nachtheilig werde.