Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 3
- Article
- Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Juden im dreißigjährigen Kriege337
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 365 (sequence 29)
- Language
- German
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im dreißigjährigen Kriege. 365 hätte, an allen Juden im Reich Repressalien zu üben. Als Beweis aber für den Eiser der Juden für die kaiserliche Sache führte der Rath die Thatsache an, daß sie erst vor kurzem Tillh 25 Pferde nebst Geschirr für seine Artillerie gegeben hätten. Inzwischen hatte der Commandant von Worms, um einen schärferen Druck auszuüben, einen Frankfurter Juden in Worms festnehmen und zugleich auf die Gelder, welche die dortigen Bürger ohne Unterschied des Glaubens den Frankfurter Juden schuldeten, Arrest legen lassen. Noch weitere Gewaltmaßregeln, die hauptsächlich den Handel der Juden lahm legen sollten, stellte er in Aussicht, von Tilly im Geheimen unterstützt, der ihm sogar rieth, alle ihre Waaren zu konfisciren. Zuzuterletzt meldete sich Mansfeld noch einmal und drohte, an der Frankfurter Judenschaft, falls diese nicht sofort seinen Oberstlieutenant befriedige, ein Exempel zu statuiren, daß sie bedauern würde, nicht lieber das Zehnfache bezahlt zu haben. Endlich traf der so lange erwartete Bescheid vom Kaiser ein (4. September 1623). In ihm sprach er die Juden von der Zahlung der Summe frei; auch sei der Erzherzog Leopold angewiesen, den auf ihre Schulden gelegten Sequester aufzuheben und sie nicht mehr in dieser Angelegenheit zu behelligen. Den Rath ermahnte er, auch in Zukunft die Juden gegen derartige ungerechte Forderungen zu schützen ^). Freilich meinte der Kaiser damit nicht etwa, daß der Rath ihm in seinen Ansprüchen an die Frankfurter Juden hindernd in den Weg treten sollte. Trotz der Verpfändungsurkunde und aller Proteste des Rathes, betrachtete er sie noch immer als seine Kammerknechte, die ihm zu gewissen Leistungen verpflichtet wären. Kaum fühlte sich daher Ferdinand II. nach Niederwerfung des Winterkönigs sicher auf dem Thron, als er von Regensburg aus am 26. Januar 1623 die Frankfurter Juden zur Zahlung des güldnen Opferpfennigs aufforderte, „den alle und jede Juden, jung oder alt, wo sie im Heiligen Reich deutscher Nation gesessen und wohnhaft wären, ihm, dem Römischen Kaiser, als ihrem alleinigen rechten Ober- und Schutzherrn jedes Jahr zu Weihnachten von jedem Haupte einen Goldgulden zu zahlen verpflichtet wären ^)". Auf Bitten der Juden wies der Rath den Ueberbringer des kaiserlichen Schreibens — er war ein Jude aus Regens- Damit war aber die Sache noch nicht definitiv abgeschlossen. Noch einmal wurden die Juden daran erinnert, als im März 1631 Alexander Massoni als Bevollmächtigter des Obersten von Ofsa dem Rath ein Schreiben überbrachte, gemäß welchem alle diejenigen, welche den Feinden des Kaisers irgend welchen Vorschub geleistet hätten, Hab und Gut verlieren sollten; so auch die Frankfurter Juden, da sie Mansseld ein Anleihen bewilligt hätten. Zunächst verlangte Massoni von den Juden 10000 Goldgulden und außerdem noch eine hohe Strassumme. Aber weder der Rath noch die Juden ließen sich einschüchtern. Sie wiesen sein Ansinnen, das sie nur als einen Erpreffungsversuch betrachteten, mit Bezugnahme auf das kaiserliche Rescript einfach ab. Damit kam die Angelegenheit endlich zur Ruhe. Vergl. übrigens hierüber meinen Aufsatz in Nr. 29 der Revue ües Rtuäes Mves: ILstoire ä'un. xret korc6 S. 99 ff. 2) S. Acta und Bericht, was wegen der Kronsteuer und jüdischen Opferpfennigs fürgangen. Tom. v. Brgm. 1623 Febr. 13 und Aug. 5. Zeitschr. f. d. Gesch. d. Juden i. Deutscht, m. 24