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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1889-01-01 · Heft 3 · p. Seite 364

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1889
Issue
Heft 3
Article
Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Juden im dreißigjährigen Kriege337
Date
1889-01-01
Page
Seite 364 (sequence 28)
Language
German
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364 Kracauer: Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Juden setzen. Währenddessen rückte Tilly von Süden her gegen diesen heran, und da sich Mansfeld nicht länger in Frankfurts Umgegend behaupten konnte, kam er den Juden auf halbem Wege entgegen und erklärte sich mit 10000 Thalern zufriedengestellt. Doch verschoben erstere die Zahlungen von Tag zu Tag, da sie wohl erst abwarten wollten, auf wessen Seite sich das Kriegsglück wenden würde. Wenige Tage später wurde an die Juden von Herzog Christian von Braunschweig, der von Norden anrückte, um sich mit Mansfeld zu vereinigen, ein ähnliches Ansinnen gestellt. Durch seinen Abgesandten, den Obersten Dodo von Kniphausen, erbat sich der Herzog vom Rathe Schiffe, um über den Main zu setzen. Außerdem verlangte er von den Juden, „weil sie nach dem Kriegsrecht bei einem solchen Kriegszug Preis seien", 30000 Thaler. Der Rath belehrte ihn aber eines andern. Die Juden wären nicht Jedermann preisgegeben, sondern befänden sich unter seinem Schutze. Nun mischte sich auch noch Tilly in die Angelegenheit. Er hatte nämlich gerüchtweise vernommen, daß Mansfeld der katholischen Geistlichkeit in der Stadt eine Contribution von 200000 Gulden auferlegt, und daß die Juden für diesen bereits 10000 Thaler in Bereitschaft hätten. Tilly machte nun dem Rath bittere Vorwürfe, daß er seine Untergebenen vor solchen Jnsolentien der Feinde des Kaisers nicht schütze, und drohte mit Repressalien, falls an Mansfeld auch nur ein Heller ausgezahlt würde. Sein Kriegskommissar Alexander Massoni sollte inzwischen die fraglichen 10000 Thaler mit Arrest belegen. Der Rath betheuerte in dem Antwortschreiben an Tilly seine Unschuld, erzählte den bisherigen Verlauf der Sache, blieb aber nicht ganz bei der Wahrheit, indem er behauptete, die Juden hätten gegen seinen ausdrücklichen Befehl Mansfeld 10000 Thaler bewilligt, sie ihm aber bisher noch nicht ausgezahlt, da er der Judenschaft keine genügende Garantie geboten hätte. Die Schlacht bei Höchst befreite die Juden einstweilen von ihren Drängern. Aber wenn sie sich jetzt der Hoffnung Hingaben, daß damit die Sache endgiltig erledigt wäre, so sollten sie bitter enttäuscht werden. Zuerst erschien (Okt. 1622) wieder Lippe in Frankfurt mit einer ihm von Mansfeld ausgestellten Cessionsurkunde über die 10000 Thaler; selbstverständlich mußte er unverrichteter Sache abziehen. Sodann verlangte Erzherzog Leopold, des Kaisers Bruder, der die kaiserlichen Truppen im Elsaß befehligte, die Aushändigung der angeblich Mansfeld bewilligten Summen, da der Kaiser Arrest auf sie gelegt und zur Unterhaltung der kaiserlichen Besatzung in Worms bestimmt habe. Vergebens suchte ihm der Rath den wahren Sachverhalt auseinanderzusetzen, der Erzherzog ließ sich nicht, oder wollte sich vielmehr nicht belehren lassen; er veranlaßte sogar seinen Bruder in einem Schreiben an den Rath, seine Forderung nachdrücklich zu unterstützen. So sah sich der Rath gen'öthigt, zum dritten Mal, und zwar diesmal dem Kaiser, einen ausführlichen Bericht über die 10000 Thaler einzuschicken, wich aber auch jetzt von der Wahrheit ab, indem er behauptete, die Juden gewarnt zu haben, sich in Unterhandlungen mit Mansfeld einzulassen. Wenn dieselben dies trotzdem gethan hätten, so dürfe man ihnen keinen Vorwurf hieraus machen, va Mansfeld gedroht

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