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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1889-01-01 · Heft 3 · p. Seite 363

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1889
Issue
Heft 3
Article
Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Juden im dreißigjährigen Kriege337
Date
1889-01-01
Page
Seite 363 (sequence 27)
Language
German
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im dreißigjährigen Kriege. 363 teien hätte erwarten sollen. Ja, nach dem Zeugnisse des gelehrten Frankfurters Josef Nörlinger Hahn, der sein Werk „Josef Omez" in der Mitte des Krieges schrieb, erging es den Juden viel besser als den Christen^), so daß an manchen Orten beim Heranrücken des Feindes diese ihre Habe in die Behausungen jener flüchteten. Der Grund für diese milde Behandlung der Juden ist zum Theil in Ferdinands II. und seines Nachfolgers Verhalten gegen sie zu suchen. Wie fanatisch auch ersterer gegen die Protestanten war, gegen die Juden zeigte er sich von einer unerwarteten Milde. Wir haben mehr als einen Erlaß von ihm, in dem er seinen Feldherren und Soldaten einschärft, ihr Leben und Gut zu schonen, sie nicht mit Kriegskontributionen, Einquartirung u. s. w. zu beschweren und sich ihrer überhaupt nach Kräften anzunehmen^). Daß für die Kaiser hierbei nicht sowohl Rücksichten der Billigkeit bestimmend waren, als vielmehr Erwägungen höchst praktischer Natur, da durch eine etwaige Vernichtung oder Beraubung der Juden, eine ihnen noch immer einträgliche Einnahmequelle versiegt wäre, von der sie bei ihren fortwährenden finanziellen Verlegenheiten so oft Gebrauch machten, wird das Folgende zeigen. Im Jahre 1622 zog sich das Kriegsgewitter um Frankfurt zusammen. Die Truppen der Liga unter Tilly waren in die Pfalz eingefallen, um den Winterkönig aller seiner Länder zu berauben. Zu dessen Verteidigung rückte Mansfeld nach dem Oberrhein. Um seine völlig erschöpfte Kriegskasse zu füllen, sandte er seinen Oberstlieutenant Lippe nach Frankfurt und forderte von den Juden unter dem Vorwande, sie seien seit Jahren mit den dem Kurfürsten von der Pfalz zu zahlenden Schutzgeldern im Rückstand, die sofortige Auszahlung von 100000 Thalern. Die über eine solche Zumuthung aufgeregten Baumeister wiesen den Oberftlieutenant mit der Bemerkung ab, in selch wichtiger Angelegenheit erst den Bescheid der Obrigkeit einholen zu müssen; übrigens hätten sie niemals von einem Schutzverhältniß zwischen ihnen und dem Pfalzgrasen gehört. Lippe erklärte, sich bis zum Abend gedulden zu wollen. Inzwischen übergab er dem Rath sein Kreditiv; dieser fand aber zu seiner großen Ueberraschung von einer etwaigen Verpflichtung der Frankfurter Juden der Pfalz gegenüber keine Silbe erwähnt. Mansfeld erklärte darin nur, daß er kein Geld habe, um seine Soldaten zu befriedigen und daher bei den Juden eine Anleihe von 100000 Thalern machen wolle, welche er aber baldigst zurückzuerstatten gedenke. Erhielte er die Summe nicht, so bliebe er mit seinem Heer vor Frankfurt liegen, so daß die Stadt die Last des Krieges alsdann verspüren würde. Durch diese Drohung eingeschüchtert, bedeutete der Rath die Juden, sich mit Lippe über die Höhe der Summe zu einigen. Dieser trat jetzt dreister aus; den Baumeistern erklärte er unter heftigen Drohungen, vom Rath zur Erhebung von 100000 Thalern autorisirt zu sein. Die Juden hielten es nun für das Beste, sich mit Mansfeld selbst in Verbindung zu!) s. Graetz, Gesch. der Juden X, S. 39 und überhaupt Note 2; Horov. II, 16 ff. 2) S. Wolf: Die Juden unter Ferdinand II., im Jahrbuch für die Gesch. der Juden Bd. I und dem Anhang Nr. m, VI, Xm.

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