Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 3
- Article
- Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Juden im dreißigjährigen Kriege337
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 356 (sequence 20)
- Language
- German
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356 Kracauer: Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Juden zu durchlöchern sich unterstandenAber politische Erwägungen bestimmten ihn, von jeder strengen Maßregel gegen die Verhafteten abzusehen und die schon begonnene Untersuchung einzustellen. Denn Ferdinand II., der jetzt nach der Demüthigung des Pfalzgrafen und des Dänenkönigs auf dem Gipfel seiner Macht stand, hatte in den letzten Jahren den Frankfurter Juden eine ungewöhnliche Aufmerksamkeit geschenkt 2) und durchblicken lassen, daß er sie wiederum an das Reich bringen wolle. Und so wie ihm einerseits jede Gelegenheit, sich in einen Streit zwischen der Stadt und deren Juden einzumischen, willkommen sein mußte, so war der Rath andererseits bemüht, ihm eine derartige Gelegenheit nicht zu bieten. Daher bestätigte er den vollen Inhalt nach einem ihm vorgelegten Entwurf, der nach langen Berathungen zwischen den Borstehern und angesehensten Gemeindemitgliedern zu Stande gekommen war. Interessant und für den damaligen Zustand der Gemeinde bezeichnend sind die dem Entwurf beigefügten Motive. Die Antragsteller heben hervor, daß bis 1621 der Frankfurter Judenschaft, wie überall im deutschen Reiche, die freie Wahl der Vorsteher gestattet gewesen sei. In diesem Jahre habe ihr aber der Rath dies Recht eingeschränkt, weil er bei der leidenschaftlichen Erregtheit der Juden und der Erbitterung der Parteien Ausschreitungen und Ungesetzlichkeiten bei den Wahlen befürchtet habe. Jetzt aber habe eine allgemeine friedliche Stimmung unter den Juden Platz gegriffen, die feindlichen Parteien wollten sich aufrichtig mit einander versöhnen und bäten den Rath um Bestätigung der von ihnen beantragten allgemeinen Amnestie und um Niederschlagung aller Prozesse, welche infolge der Wahlbewegung der letzten Jahre hervorgerufen worden seien Die wichtigsten Bestimmungen des Entwurfes sind: In Zukunft soll der Vorstand nur aus 12 Mitgliedern bestehen, — 2 der Bierzehner waren gerade damals gestorben —, damit an jeden derselben das Amt des Baumeisters komme. Die Amtsdauer wird auf 3 Jahre beschränkt^). Ihre t) Brgm. 1628 Mai 20. 2) Bereits 1623 ersuchte er den Kurfürsten von Mainz um nähere Mittheilung darüber, ob, wie er erfahren habe, der Rath die Stättigkeit in unterschiedlichen Punkten überschritten hätte. 3) Das hebräische Protokoll (Gemeindeb. S. 83d) hat 25 Unterschriften. Näheres hierüber s. Gemeindeb. 1. e. Deshalb führt auch das Protokoll im Gemeindeb. S. 81 die bezeichnende Überschrift: 551,-! N^lp 2c. 21^' Ni5^ (Der da Frieden stiftet in seinen Höhen, er möge uns Frieden spenden u. s. ro.). — Auch im Fettmilchschen Aufstand nach dem Zustandekommen des Bürgervertrages 1613 war eine solche allgemeine Amnestie verkündet worden. b) Wollten die Vorsteher sich widerrechtlich noch länger im Amte behaupten, so verfallen sie in den Bann; außerdem hat jeder von ihnen 1000 Dukaten zu zahlen, und zwar V3 an den Kaiser, an den Rath und V3 an die jüdischen Armen (s. Gemeindeb. 82b). — Das hebräische Protokoll enthält auf 5 Folioseiten (S. 81a-83d) die detaillirtesten, alle nur irgendwie denkbaren Fälle umfassenden Bestimmungen über die Wahl der Zwölfer. Besonders ausführlich befaßt es sich mit der Ersatzwahl beim etwaigen Tode eines der alten Zwölfer. Der dem Rath übergebene deutsche Entwurf, den ich hauptsächlich berücksichtigt habe, enthält im Auszug die wichtigsten Bestimmungen des Protokolls.