Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 3
- Article
- Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Juden im dreißigjährigen Kriege337
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 352 (sequence 16)
- Language
- German
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352 Kracauer: Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Juden Gehalt bezogen von der Gemeinde nur der oberste Rabbi ^), der Gemeindearztdie niederen Kultus- und Gemeindebeamten; alle sonstigen Aemter wurden als Ehrenämter angesehen. Die Zehner waren nur dadurch vor den übrigen bevorzugt, daß ihnen das Vorkaufsrecht zustand. Die Unzufriedenheit der Gemeinde mit ihren alten Vorstehern wurde bald durch das Vorgehen letzterer von neuem entfacht. Von allen Seiten erhoben sich Klagen über ihre eigenmächtige, willkührliche Amtsführung. Man warf ihnen vor, daß sie bei der Austeilung der Aemter ihre Verwandten begünstigten, die Neuwahl der seit 1618 vakant gewordenen Zehnerstellen jahrelang hinausschoben, und als sie dieselben endlich besetzten, sie wieder ihren eigenen Verwandten übertrugen, so daß 1621 alle Zehner mit einander in verwandtschaftlichem Verhältnis standen. Ein weiterer Grund zur Unzufriedenheit war, daß sie die Siebener nur, wenn es ihnen beliebte, zur Berathung hinzuzogen und zwar niemals sämmtliche Siebener, sondern höchstens 5, um sie leichter überstimmen zu können; ferner, daß sie von den Fünfern keinen Rechenschaftsbericht verlangten. Auch beklagte man sich über die Parteilichkeit der Zehner im Gericht und daß sie eine Appellation an die städtischen Behörden auf alle mögliche Weise, sogar bei Strafe des Bannes, zu verhindern suchten. Schließlich sah sich der Rath genöthigt, diesmal seine bisherige Gleichgültigkeit gegen die inneren Angelegenheiten der Juden aufzugeben und den Streit zwischen Zehnern und Gemeinde selbst zu schlichten. Die Veranlassung dazu gab das Vorgehen eines Frankfurter Juden, Hirsch „zur gelben Rose", der sich bei Ferdinand II. über das „ungerechte, parteiliche und angemaßte Regiment der Zehner", die ihn wider alles Recht in den Bann gethan hätten, beschwertes. Der Kaiser befahl hierauf dem Rath, nach genauer Untersuchung der Sache Hirsch zu seinem Rechte zu verhelfen. Während Hirsch in Wien gegen die Zehner auftrat, agitirten 5 seiner Gesinnungsgenossen in Frankfurt eifrigst gegen sie und besonders gegen Samuel „zum Strauß" und Schmul „zum Drachen" ^). Die allgemeine Erbitterung führte ihnen rasch einen großen Anhang zu. Man setzte sich mit Hirsch in Verbindung, welcher das Feuer noch mehr schürte und um Geldsendungen zur besseren Durchführung seiner Pläne bat. In fast täglichen Zusammenkünsten beriethen sich die Gegner der Zehner über ein gemeinsames Vorgehen; sie ernannten einen Ausschuß, der in einer in den stärksten Ausdrücken abgefaßten Anklageschrift die Zehner beschuldigte.!) Der 1606 nach Frankfurt berufene Rabbi Jesaja ben Rabbi Abraham Halevi Horwitz bezog 400 Gulden, eine höchst bedeutende Summe; sein Vorgänger hatte nur 50 Reichsthaler erhalten. Der damalige Rabbiner von Worms bezog nur 50 Gulden. 2) Ueber seine Amtspflichten, die Höhe des Honorars, das er zu fordern berechtigt war, s. Horov., Jüdische Aerzte in Frankfurt a/M. S. 13 und besonders S. 16 und 17. 3) s. Brgm. 1621 Nov. und Rathschlag, vom selben Tage. ^) Das folgende hauptsächlich nach Untergew. 48.