Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Rothenburg an der Tauber
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 310 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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310 Breßlau: Zur Geschichte der Juden in Rothenburg an der Tauber. geworden sei, noch in dem Gefängnis der Rothenburger liege, und abermals die Freilassung verlangt. Am 3. September schreibt Johann Bischof von Würzburg dem Rath, indem er sich beschwert, daß dieser seinen Juden Jsaac von Weil aus Jphoven mit sammt seiner Frau gefangen gesetzt habe und fordert sie auf, dieselben frei zu geben und ihnen zurückzuerstatten, was man ihnen etwa genommen habe. Am 7. September beklagt sich Johann in einem zweiten Schreiben, daß ein Sohn seines Juden Vischlein von Bernheim, den dieser gen Rothenburg zur Schule gethan habe, daselbst verhaftet sei und verlangt seine Freilassung. Am gleichen Tage führt Erzbischof Johann von Mainz Beschwerde, weil Frehde, die Ehefrau seines Juden David von Dieburg, von dem Rathe mit seinen anderen Juden gefangen genommen sei. Man sieht, die Maßregel war eine ganz allgemeine, und alle in Rothenburg weilenden Juden, einheimische und fremde, sind von ihr betroffen worden. Offenbar mit ihr hängt es auch zusammen, wenn Friedrich von Eichstedt in mehreren Briefen vom 2. 4. und 7. September auf den Antrag seines Juden Jsaac von Spalt die Rückgabe eines Capitals verlangt, das dieser angeblich dem Rothenburger Juden Meyer von Kitzing zur Verehrung gegeben habe. Diesen Reclamationen scheint Genüge geschehen zu sein; wenigstens ist nicht Nachzuweisen, daß einer von den eben genannten zu einer Zahlung genöthigt worden ist. Die übrigen — wie lange ihre Haft gedauert hat, wissen wir nicht — mußten sich wohl oder übel zu einer solchen verstehen. Am 5. October ist Sigmund, nachdem er mit den Nürnbergern über den zu zahlenden Betrag handelseins geworden war, von Nürnberg abgereist, um sich nach Windsheim und Rothenburg zu begeben ^): am 8. October quittirt er in Rothenburg selbst dem Rathe über den Empfang der Judensteuer von 2000 Gulden ^) und verließ dann sofort die Stadt, um in Heilbronn das einträgliche Geschäft dieser Verhandlungen mit anderen Städten fortzusetzen. Hier ließen sich die Rothenburger noch am 15. Oct. eine besondere Urkunde darüber ausstellen, daß niemand sie wegen der von seinen und des Reichs wegen erhobenen Judensteuer belangen, bekümmern, aufbieten oder anfeinden solle Den Betrag von zweitausend Gulden hat der Rath zunächst aus seinen Mitteln dem Könige vorgestreckt; die Juden haben sich verpflichten müssen, ihn in wöchentlichen Ratenzahlungen zu ersetzen. Ueber diese Ratenzahlungen liegt eine besondere Liste vor auf f. 82 ff. unseres Bandes, welche die Überschrift trägt „^imo äomini <Marto äeeimo ieria ssxta post ^ranei88i (Oer. 5) Kaden äie Mäen an ir ste^r Aeden". Den größten Betrag zahlt Salman von Würzburg: er entrichtet am 5. Oct. 10 Gulden, 2) Reichstagsakten VN, 154. 2) Lang, R.6Z. Loiea XII, 175. — Schon am 30. Sept. hatte Erkinger von Sausheim dem Rathe geschrieben, die Steuer der Juden, wie er dieselbe mit ihnen überkommen habe und zweien vom Rathe einzunehmen befohlen habe, an den Protonotar Johann Kirchen abzuliefern. Am 10. October quittirt er dann auch seinerseits über die vereinbarte Summe; f. 80 und 81 unseres Bandes. 2) Lang a. a. O.