Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zu "Die Juden und die deutsche Lit. des 16. Jahrh."
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 297 (sequence 3)
- Language
- German
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Nachträge und Berichtigungen. 297 „Finden sie nicht genug zum Stechen, So gehen sie hin Kammern aufbrechen, Meist blieben sie freilich verborgen, Wiewohl man einen neulich ertappt, Der beim Zubelier viel hat erschnappt, Weil die Iudengaß' nicht offen war". Darauf folgt unmittelbar ein Gedichtchen mit der Überschrift „Andre Juden, genannt Christen", wo die christlichen Wucherer, die es ebenso schlimm wenn nicht noch schlimmer treiben als die Juden, arg mitgenommen werden. Die übrigen Gedichte sind aus dem Jahre 1696, gehören also nicht zu dem in jener Abhandlung besprochenen Zeitabschnitt. Zu S. 350. In den von F. Bobertag herausgegebenen „400 Schwänken des 16. Jahrhunderts" (Deutsche Nationalliteratur Bd. 24) werden einzelne von mir schon berührte Geschichten wiederholt (vgl. S. 105). Aus mancherlei anderen Geschichten (vgl. S. 125 fg.) geht hervor, daß den Erzählern die Begriffe Wucherer und Jude keineswegs gleichbedeutend sind. Eine nicht uninteressante, übrigens recht unanständige Geschichte aus Jakob Freys Gartengesellschaft (S. 215 fg.), „Ein Jud ward christen, verdarb und ward wieder reich" kann hier nicht wiedererzählt werden; nur auf ihre Haupttendenz ist hinzuweisen, welche darin besteht, nachzuweisen, daß ein Jude selten ein guter Christ werde. Zu Bd. II, S. 356. Mit einem Worte verdient auch Fischarts aus dem Jahr 1575 herrührende Dichtung „Eine gewisse Wunderzeitung von einer schwangern Jüdin zu Binzwangen, vier Meil von Augsburg, welche kürzlich den 12. Decembris des nächst verschienenen Jahres anstatt zweier Kinder zwei leibhaftige Schweinlein oder Färlin gePracht hat" erwähnt zu werden. Wäre es blos eine der damals üblichen Dichtungen über Wundergeschichten und Seltsamkeiten, so brauchte sie nicht hervorgehoben zu werden. Hier wird sie genannt, weil in den seltsamen Bericht mancherlei Spöttereien gegen die Juden gemischt sind; vgl. Kurz, Fischarts Dichtungen, Bd. III, S. 70 fg; daraus bei Janssen VI, 243 fg. Zu Bd. II, S. 366. Aus einem Briefe des Herrn vr. K. Kohler New-York 25. Januar 1889: „Mir scheint es, daß Sie Einzelnes bezüglich Shylock und des Ewigen Juden unberücksichtigt oder ungelesen ließen, was jüngst hervorgehoben wurde. Erstens scheint mir die Lee- Graetz'sche Erklärung des Shakespeareschen Shylock sehr ungenügend. Es ist doch sehr unwahrscheilich, daß der eine Scheinchrist Lopez den ganzen Haß der Christenheit angefacht haben sollte. Viel treffender scheint die vor mehreren Jahren in der Augsburger Allgem. Zeitung — die Notiz habe ich verlegt — hervorgehobene, daß der Erfolg des Günstlings des Sultan Selim, Den Joseph Herzog von Naxos namentlich durch die Eroberung von Cypern das ganze christliche Abendland von Venedig aus gegen die Juden in Ausruhr setzte und daß daher der Jude von Malta zc. seinen Ursprung nahm. Nun aber sollte man nicht übersehen, daß der Name Shylock auf einen deutschen Judennamen Selig oder ähnlich als Grundlage hinweist, denn erfunden ist doch der Name Shylock nicht. Betreffs des Ewigen Juden gilt es, die jüdischen Elias-Sagen mit heranzuziehen,