Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zu "Die Juden und die deutsche Lit. des 16. Jahrh."
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 298 (sequence 4)
- Language
- German
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298 Nachträge und Berichtigungen. denn der wandernde oder ewige Johannes ist bloß Reflexbild des wandernden Elias, der den Juden thpificirt. Und hier lassen Sie mich auf eine sehr werthvolle anregende Arbeit von M. D. Conwah „l'de ^auäerivT ^en" hinweisen, der vieles von Graesse u. A. Gesagtes zusammenstellt, auch eine Erklärung des Namens Ahasverus von viäar nach Carl Blind u. s. w. gibt, kurzum eine tiefere als bloß die oberflächliche literarhistorische Darstellung der Sage bietet". Zu Bd. II, S. 369 fg. Einen neuen Belag zu dem dort behaupteten Unterschied in der (literarischen) Behandlung der Juden im 15. und 16. Jahrh. findet man in dem niederdeutschen Drama Theophilus (e. 1400), das jüngst von Joh. Wedde in einer freilich ziemlich unvollkommenen Übersetzung herausgegeben worden ist (Hamburg, H. Grüning 1888). Der Zusammenhang ist der, daß der Propst Theophilus, durch seine Genossen gekränkt, sich an einen Zauberer wendet und von diesem an die Judeu gewiesen wird. Er geht zu ihnen in die Synagoge, erklärt sein Verlangen zu ihnen zu gehören, wird aber mit demselben abgewiesen. Die Unterhaltung zwischen dem Christen und den Juden wird in einer durchaus höflichen Weise geführt, welche der in anderen Schriften jener Zeit beschriebenen Disputationsart widerspricht. Am bemerkenswertesten ist der Umstand, daß der Jude, wenn er auch schließlich dem Propst den Weg zum Teufel zeigt, ihm zuerst mild und verständig abräth, diesen Weg zu gehn und seinerseits erklärt, nicht um alles Geld auf der Erde Eigenthum des Teufels zu werden. L. G. Verschiedenes. Zu Bd. II, S. 381. Mannheimers Mittheilung aus der Darmstädter Handschrift ist, wie mir leider entgangen war, bereits in der Revue äes ewäe3 Mves IV (1882) S. 2, Anmerkung von Neubauer veröffentlicht worden. L. G.^j Der in der Darmstädter Hagada-Handschrift erwähnte Ortsname, den der Einsender nicht ermitteln kann, ist Münz bürg in der Wetterau, ein Ort, der in der jüdischen Literatur auch sonst bekannt ist durch R. David b. Kalonymos, der auch R. David aus Münzburg genannt wird und als solcher u. A. die Beschlüsse der Mainzer Synode a. 1223 mit unterzeichnet (s. Quellennachweis in Graetz, Geschichte VII, 29). Aus der wörtlich gleichlautenden Stelle in einer Handschrist der Bodleiana (mitgetheilt von Neubauer in dessen trefflichem Katalog unter Nr. 1204) geht hervor, daß dieser Hagada-Kommentar den bekannten R. Eleasar aus Worms (Roknach) zum Verfasser hat. Es würde hieraus die weitere Folgerung sich ergeben, daß R. Eleasar eine Zeit lang in Münzburg wohnte und 1188, zur Zeit des dritten Kreuzzugs (1198 in Mannheimers Mittheilung ist wohl ein Druckfehler), mit andern Glaubensgenossen von dort fliehen mußte. Die Thorarollen, die Pfänder und alles Eigenthum mußte zurückgelassen werden und nur durch die Intervention des Herrn v. Münzburg wurde weiteres Leid von den Juden abgewendet, so daß sie später wieder zurückkehren durften (vgl. Graetz'sche Monatsschrift 1886 S. 464 nach den Notitzen bei Neubauer a. a. O.). L. Low enstein.