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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1889-01-01 · Heft 2 · p. Seite 286

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1889
Issue
Heft 2
Article
Ein angebliches Attentat der Frankfurter Juden gegen die Truppen des Generals Custine im Jahre 1792
Date
1889-01-01
Page
Seite 286 (sequence 3)
Language
German
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286 Miscellen. In dem benachbarten Mainz hatte man mit großer Spannung die Vorgänge in Frankfurt verfolgt; besonders die dort starke französische Revolutionspartei, die sogenannten Clubbisten bemächtigten sich in ihrem Organ, dem „Bürgerfreund", der die Stadt so stark compromittierenden Angelegenheit. So erschien in der Nummer vom 25. Dezember ein Artikel über die Ereignisse in Frankfurt am 2. Dezember. In diesem wird ausdrücklich erwähnt, daß man die Juden im Verdacht hätte, die „gräulichen Auftritte und Komplote" angestiftet zu haben. Der Verfasser freilich ist nicht von ihrer Schuld überzeugt, pflichtet vielmehr der Ansicht des Generals Custine bei. In der Frankfurter Judenschast herrschte tiefste Bestürzung über diese gegen sie vorgebrachten Verläumdungen. Sie fürchtete eine schreckliche Rache von Seiten der Franzosen und zitterte für Leben und Sicherheit. Sofort thaten die Vorsteher Schritte, den Verdacht von der Gemeinde abzuwälzen. Sie übergaben dem Rat eine von 80 der angesehensten Juden unterzeichnete Bittschrift, überzeugt, daß dieser „an allem, was nur einigen Bezug auf das Eigenthum, das Leben und was noch mehr ist, auf die Ehre sämtlicher Inwohner von Frankfurt hat, den wärmsten Antheil nehme". In ihrer Form unterscheidet sich diese Eingabe sehr von früheren. Nicht mehr als „arme, elende Hintersassen" supplicieren die Juden de- und wehmütig; der frische, freie Hauch einer neuen Zeit war auch bis in ihr dumpfes Ghetto gedrungen und hatte in ihnen das längst verloren gegangene Gefühl der Menschenwürde wieder ausleben lassen. In fester, männlicher Sprache apellieren sie an das Gerechtigkeitsgefühl des Rates. Um ihre Unschuld in ein Helles Licht zu setzen, führen sie zuerst alle Ereignisse an, die sich vom 28. November bis 2. Dezember in der Gasse zugetragen haben. Geben wir die betreffende Stelle in der Supplikation wortgetreu wieder: „Die Judengasse war vom Abend des 28ten November bis zehen Uhr früh des Iten December gesperrt, und die an den Thoren derselben postirt gewesenen Soldaten der Stadt-Garnison erfüllten ihre Ordre so pünktlich, daß niemand, auch die dringendsten Bedürfnisse zu holen, in die Stadt gelassen wurde. Vergebens seufzten die Kranken nach dem Doktor und nach Arzeney. Der Handelsjude sah sich den Weg nach der Post und von seinen Verrichtungen abgeschnitten, selbst Geschäfte, die jeder Verzug alterirte, durften nicht vorgenommen, ja nicht einmal Wechselbriefe protestiert werden". Wir erfahren sodann, daß am 30. Nov. die „Baumeister" (Vorsteher der Juden) den ältern Bürgermeister ersucht hatten, doch die Wache von den Thoren zu entfernen, damit nicht die Franzosen aus dieser sorgfältigen Bewachung den Verdacht schöpften, daß die Juden Verräter seien, wodurch sie in gränzenloses Unglück gestürzt werden könnten. Die Bitte wurde abgeschlagen, und die Juden blieben nach wie vor in dieser „wahrhaft traurigen und erbarmungswürdigen Lage", bis zum 2. Dezember. „Und an diesem Tage", so fahren sie in ihrer Petition fort, „sollen wir — in dem Schoose einer wehrlosen, schüchternen, vor allen gewaltsamen Auftritten zurückschaudernden Nation gebohren und erzogen — die Franken gemordet oder uns an ihren Wunden und ihren fürchterlichen Qualen geweidet haben?"

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