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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1889-01-01 · Heft 2 · p. Seite 285

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1889
Issue
Heft 2
Article
Ein angebliches Attentat der Frankfurter Juden gegen die Truppen des Generals Custine im Jahre 1792
Date
1889-01-01
Page
Seite 285 (sequence 2)
Language
German
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Miseellen. 285 Diese Milde wurde den Frankfurtern aber übel vergolten. Der General Custine, dem vor allem daran lag, jede Schuld an der Niederlage von sich abzuwälzen, da ja bei den damaligen politischen Zuständen Frankreichs ihm jeder Mißerfolg zum Verderben gereichen konnte, sandte dem Nationalkonvent einen Bericht über die Wiedereroberung Frankfurts durch die Hessen, in dem er den Verlust der Stadt hauptsächlich auf die hinterlistigen Angriffe der Bürger zurückführte. Mit großen Messern hätten sich diese auf seine Soldaten gestürzt und sie so gezwungen, die Stadt aufzugeben. Diese Entstellungen und Übertreibungen, die die Frankfurter Bürgerschaft zu Meuchelmördern herabwürdigten, wurden vielfach auch in Deutschland geglaubt, und die meisten Tagesblätter beschäftigten sich mit der Angelegenheit. Da gelangte am 12. Dezember ein Schriftstück an die Oeffentlichkeit, das die Sache wieder in anderm Lichte darstellte. Es war dies ein Schreiben der in Marburg gefangen gehaltenen französischen Offfciere an den Präsidenten des Nationalkonvents, das die Angaben ihres Oberanführers in gewissem Sinne Lügen strafte. Zwar behaupteten auch sie, daß die französische Tapferkeit dem Ansturm der Hessen nicht gewichen wäre, wenn nicht eine im Innern der Stadt ausgebrochene Empörung mit im Spiele gewesen wäre, aber sie beschuldigten nicht die Frankfürter Bürger der begangenen Greuelthaten, sondern schoben alles auf die fremden Handwerksburschen und auf den wehr- und rechtlosesten Theil der Bevölkerung, auf die Juden. Sie sagen in ihrem Berichte: I^eus ne älssimulerons xas les exees, auxhuels s'est xortee 1a xexulaee äe ^ranekort et notaminent, les ^ar^ons äe metier etran^ers et les Miss, nous ne eaederons xoint a 1a Nation entere Hue leurs atroeltes, leur aeiiarnemevt a seeonäer les entreprises äe l'enneini ont aeeelere 1e inoment äe notre äefaite, annule les rno^ens äe defense, entrave les oräres äu <^6nera1; inals Oito^en?resiäent, ee seroit visier 1a verit6, la justice ineme, sl 1^0n axxelloit l'oäieux äe eette maldeureuse ^urnee, sur eeux-la ineme c^ul ent sauve uu ^ranä nomdre äe k'rantzais äe 1a xrewiöre fureur än vainciueur, c^ui ont soi^ne nos dlesses et seeouru nos xrisonniei-s. Dieses Schreiben der kriegsgefangenen Offiziere trug insofern den Charakter einer wahrheitsgetreuen Darstellung, als es, von zwei Frankfurter Notaren, Johann Gerhard Jaenicke und Johann Friedrich Kappes unterzeichnet und beglaubigt war. Was die Offiziere bewogen haben mag, die Juden in dieser Weise zu beschuldigen, ist nicht klar; vielleicht wurden sie zu diesem Verdachte durch das weiter unten erwähnte Verhalten des Rates gegen dieselben kurz vor dem Eintreffen der Hessen veranlaßt. Glücklicherweise schenkte General Custine selbst diesen Anschuldigungen keinen Glauben; denn er bemerkte: Gefangene Vögel Pfeifen, wie man ihnen vorleiert. Den Juden am allerwenigsten traute er Feindseligkeiten gegen die Franzosen zu, „da die Frankennation die erste in Europa sei, die den Juden die allgemeinen Menschenrechte habe angedeihen lassen und sie von der schändlichsten Sklaverei befreit habe; zudem wären die Juden ein zu schüchternes Volk, als daß sie etwas Grausames und böse Folgen nach sich Ziehendes unternehmen würden." 19*

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