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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1889-01-01 · Heft 2 · p. Seite 241

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1889
Issue
Heft 2
Article
Sage und Sang im Spiegel jüdischen Lebens
Date
1889-01-01
Page
Seite 241 (sequence 8)
Language
German
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Kohler: Sage und Sang im Spiegel jüdischen Lebens. 241 die deutschen Juden wohl über Frankreich aus dem fernen Osten mitgeschleppt! Wundert man sich dann, daß sie auch Ernsteres und Bedeutungsvolleres so weither mitgenommen und verbreitet haben? Zu der drolligen Anekdote bei Tendlau Nr. 233 von Elias und dem guten und dem bösen Ehepaar, an denen der Segen des wandernden Propheten so verschiedenartig, doch nach Gebühr sich bewährt findet, liefert viel besser als Grimm's 87tes Mährchen vom Armen und vom Reichen eine ebenso rohe italienische Anekdote über Christus und St. Peter bei Crane S. 190 (vgl. S. 361) eine genaue Parallele, und werden wir nach Jndien's Mährchenland von Bensey Pant. 497 I u. f. verwiesen. II. Die jüdische Rabbi Amram- und die christliche St. Emeran-Sage. Wohl eine der interessantesten jüdischen Volkssagen ist die von Tendlau in s. Buch der Sagen und Legenden als 4te gegebene: Die Amramskirche zu Mainz: Ein Schiff kommt anzufahren mit einem Sarg: Das Schifflein kam den Rhein herauf Gefahren ganz allein, Kein Steuer lenkte seinen Lauf, Kein Schiffmann hielt es ein. Das Schiff weicht vor Jedem zurück, bis daß Juden an den Strand gehen. Ihnen eilt es zu. Es lag Rabbi Amram drin mit einem Schreiben, daß er in Mainz begraben sein wolle, von wo er nach Köln als Lehrer gewandert war. Die Kölner Juden fürchteten sich seiner letzten Bitte zu willfahren, ihn selbst nach Mainz zu bringen und so ließen sie ihn, aus sein Geheiß, im Kahn den Rhein hinaufschwimmen. Doch die Christen wollen den Heiligen nicht den Juden überlassen; sie wollen ihn in ihrer Kirche begraben. Als man jedoch den Sarg weiter tragen wollte, da ward er ihnen zu schwer. Es ging nicht mehr von der Stelle. Man baute dann die Kirche über ihn, die man nach ihm Amram's oder St. Emeran's Kirche nannte. Die Juden aber gingen einmal auf des Heiligen Befehl in einer Traumvision hin. Nachts in die Kirchengruft hinab und tauschten die Leiche um: Jetzt ruht er bei den Seinen doch —, Die Kirche auch steht heute noch. Diese von Eisenmenger I, 513 nach dem Maase-Buch und Schalschelet hakkabala wiedergegebene Erzählung hat nach Tendlau's Anmerkung S. 355 die Überschrift in einigen Exemplaren: „In diesem „Maase" steht daß Leute sagen, das wäre in Regensburg geschehen. Das kann nicht sein, denn von Regensburg nach Mainz muß man zu Land gehen und dann stromab fahren". Der Vergleich mit der parallelen christlichen Sage gibt den erwünschten Aufschluß und zeigt wie die jüdische von Regensburg nach Mainz gewandert ist. Panzer in s. Bayerischen Sagen und Bräuchen I, S. 220 bringt einen vom Landgericht München an die oberbayrische Regierung 1836 eingebrachten Bericht, den er durch eine Schrift von 1711 bestätigt fand, wonach der heilige Em er an als Leiche auf einem Karren, an dem zwei Ochsen gespannt waren, ohne Führer nach Aschheim angefahren kam, dann ohne jede menschliche Hilfe auf einem Schiff die Donau

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