Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 2
- Article
- Sage und Sang im Spiegel jüdischen Lebens
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 240 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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240 Kohler: Sage und Sang im Spiegel jüdischen Lebens. bei Burton III, 280-320 die theologischen Fragen, die das kluge Mädchen Towaddud zu beantworten hat.) Wir gelangen hier wiederum nach dem Osten. Reinhold Köhler in der Deutsch-Morgenländischen Zeitschrist XXIX, 633 vergleicht die Pehlvi- Erzählung vom Zauberer Akht, der dem Gosht Frys.no 33 Räthsel aufgibt, mit dem kirgisischen Gesang bei Radloff, worin die Zehn Räthsel des Mullas der Ungläubigen dem 13ten Räthsel des Zauberers Akht jenau entsprechen. Was ist 1, 2, 3 u. s. s. bis 10? Die persische Erzählung hat Die kirgisische: 1 — Sonne 1 — Gott. 2 Einu. AusaLhmen 2 Sonne u. Mond. 3 — Gedanke, Wort u. That 3 —? 4 — Wasser, Erde, Bäume u. Thiere 4 — Vier Chalifen. 5 — Kaianiden 5 — Fünf Gebete. 6 — 6 Fest-Zeichen der Gahanbars 6 — Sechs Worte. 7 — 7 Erzengel 7 — 7 Höllen. 8 — 8 Berühmtheiten 8 — 8 Paradiese. 9 — 9 Oeffnungen des Leibes 9 — 9 Söhne des Propheten Zbrahim. 10 — 10 Finger des Menschen 10 — 10 Monate der Schwangerschast. Ohne Zweifel liegt beiden Fabeln, wie Köhler annimmt, eine gemeinschaftlich ältere zu Grunde und diese führt uns wiederum nach dem Lande des Ostens, der Urräthsel. Die Vermuthung also, die Perkes in der Graetz-Jubelschrift S. 37 ausspricht, daß das jüdische Gedicht dem deutschen nachgeahmt sei, reicht somit nicht aus, auch wenn die bei Brüll Jahrb. IV, 97 gegebene Mittheilung auf einer Thatsache beruhen sollte, daß man die beiden Pesach- Lieder auf einem alten Pergamente in der Wormser Schule gefunden habe. Erst wenn die gesammte rabbinische Legende bis zur neuesten Zeit herein mit ihren äsopischen Fabeln nach Persien und Indien systematisch verfolgt worden sein wird, läßt sich Klarheit in den noch so verworrenen Stand der jüdischen Sagenforschung bringen. Ein einziges Beispiel für Viele! Tendlau bringt in s. Sprichwörter und Redensarten deutsch-jüdischer Vorzeit als no. 1067 „Wo bleibt die Katz?" die bekannte Anekdote von dem Manne, der das Mädchen bei der Ausrede, die Katz habe das sehlende Fleisch genommen, damit Lügen straft, daß er die Katze auf die Wage legt und sagt: „Hier sind die zwei Pfund Fleisch, aber wo bleibt die Katz?" Man vergleiche damit Deutsch-Morgenl. Zeitschrift XXXVII, S. 206 Socin: „Der arabische Dialekt von Mosul", woselbst das Sprichwort: „Das Fleisch wiegt soviel wie die Katze" mit Hinweis auf den Scherz des arabischen Spaßmachers in Nasreddin erklärt, der ebenso wie in der jüdischen Anecdote, die Frau drei Pfund Fleisch, die fehlten, weil sie sie mit ihrem Liebhaber verzehrt hat, auf Schuld der Katze stellen läßt, woraus dann der Mann die Katze wägt und dann spricht.- „Hin ist das Fleisch; aber wo ist die Katze?" Einen so schlichten Scherz haben also