Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 2
- Article
- Sage und Sang im Spiegel jüdischen Lebens
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 239 (sequence 6)
- Language
- German
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Kohler: Sage und Sang im Spiegel jüdischen Lebens. 239 Kinderlied S. 269) als westfälisches Procesfionslied am Lambertusfest kennt, wie es Ulrich („Gesch. d. Juden in der Schweiz" S. 138) als Züricher Kinderlied singen hört, aus dem dem 5ten Jahrhundert angehörigen Kirchenvater Eucherius eine Anwendung der Zahlen von 1 bis 1000 auf kirchliche Bedeutungen an. Desgleichen finde ich in Brewer's VLetLovar? ok Niraeles S. XXVIII ein englisches kirchliches Zahlenlied unter dem Titel 1?!ie tv^elve Nuvaerio kememdranees, das entsprechend beginnt: Oome teil me, trul^ teil, ^kat trutk ^diäes iu numder One? In uumder One is Ilnltz^ ^dleli ä^elletli all alons, und bis zu der Zwölfzahl der Apostel fortspinnt. Daß das hebräische Lied nicht gerade am Pesach-Abend, sondern an Festtagen beim Mahle überhaupt gesungen wurde, hat Zunz dem Avignon- Ritual entnommen. (Siehe Zeitung des Judenthums III, 469.) Ob das schwäbische Kinderspiel bei Rochholz das. 269, das ein Mädchen am ersten Tag ein Hanfkorn, am zweiten zwei Hänflinge, am dritten drei Täubchen, am vierten vier Hennen, am fünften fünf Hasen, am sechsten sechs paar Ochsen u. s. w. zum Frühstück verzehren läßt, und das entschieden durchsichtigere englische Kinderspiel bei Halüwell 184, das die Zwölf Nächte mit Geschenken schmückt, von einem Rebhuhn zu 2 Tauben, 3 Hühnern, 4 Krammetv'ögeln, 5 Ringen, 6 Gänsen, 7 Schwänen, 8 Milchmädchen, 9 Tambours, 10 Pfeifern, 11 Tänzerinnen, 12 Springern aufsteigend, wirklich bloß Parodien sind, wie Rochholz das. meint, ist mir fraglich. Dieses Aufsteigen erinnert sehr stark an die an Zahl aufsteigenden Chanuckalichter, die dem zunehmenden Tageslicht entsprechen! Liebrecht „Zur Volkskunde" bringt S. 162 ein griechisches Lied uuter dem Titel „Die Hundert Sprüche", worin ein Mädchen ihrem Geliebten nicht eher erlaubt sie zu küssen, bis er die Bedeutung der Zahlen von 1 bis 100 gelernt hat. „Was ist Eins?" Antw. „Gott". „Zwei?" „Zwei Täubchen die sich küssen". „Drei?" „Heilige Dreieinigkeit, steh' mir bei!^ „Vier?" „Das viereckige Kreuz auf Deinem Busen". „Fünf?" „Fünf Äpfel". Sechs Sterne der Gluckhenne. Sieben Jrrsterne am Himmel. Acht Füße des Hummers. „Neun Monate trug mich meine Mutter" und so geht es im Scherze fort. Man sieht, der ursprüngliche Charakter ist verwischt. Altern d. h. ursprünglichern Charakters ist das griechische Mährchen bei Hahn II, 210, worin ein Drache Zehn Räthsel aufgibt: Was ist Eins? Antwort Gott. Zwei? Die Gerechten. Drei? Der Dreifuß. Vier? Vier Euter der Kuh. Fünf? Fünf Finger der Hand. Sechs? Die sechs Sterne des Siebengestirns. Sieben? Die sieben Jungfrauen. Acht? Der Achtfuß. Neun? Neun Monate trug Dich Deine Mutter. Zehn? Das bist Du, und der Drache zerplatzt. — Doch finden sich dieselben Zahlenräthsel in der arabischen Sage. Siehe Hammer's Rosenoel II, 142: Was ist Eins? Das Bekenntniß des Islams. Was Fünf? Das fünfmalige Gebet :c. (Bergt. Tausend und Eine Nacht