Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 2
- Article
- Sage und Sang im Spiegel jüdischen Lebens
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 238 (sequence 5)
- Language
- German
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238 Kohler: Sage und Sang im Spiegel jüdischen Lebens. mythisches Wesen sein kann und man demnach an den persischen die Erde darstellenden Ur-Ochsen zu denken hat. Ferner macht er auf die interessante Parallele aufmerksam, die der Midrasch im Zwiegespräch Abrahams mit Nimrod darbietet (Bereschith Rabba e. 38): „Bete das Feuer an!" — „Warum nicht das Wasser, das das Feuer verlöscht?" — „Bete das Wasser an!" — „Warum nicht die Wolke, die das Wasser trägt?" — „Bete die Wolke an!" — „Warum nicht den Wind, der die Wolke davon trägt?" — „Bete den Wind an!" — „Warum nicht den Menschen, der den Wind erträgt?" Weiter verfolgt hat jedoch Cassel den Ursprung dieser rabbinischen Legende nicht, sonst hätte er wohl auf die indische Parallele im Pamschatantra III, 12 hingewiesen, worin ein Büßer seiner Tochter den Sonnengott zum Mann anbietet, der Sonnengott aber weist aus die Wolke, die ihn verdeckt; die Wolke auf den Wind, der Wind auf den Berg, der Berg auf die Maus hin u. s. w., die Benfeh I, 377 mit Recht für älter ansieht. Allein es finden sich noch andere und frappantere Parallelen in der indischen Sage, die mehr den Kern, die Idee der gerechten Strafe, mit der ein Wesen das andere verfolgt, ausdrücken. I, 174 bringt Benfey die Fabel, worin ein Hund einen Fuchs in's Bein beißt, der Knecht dem Hund das Bein mit dem Stein zerbricht, ein Pferd dem Knecht das Bein bricht, und schließlich das Pferd beim Sturz sich das Bein bricht, und S. 190 eine, worin dem König der Honig von der Fliege, diese von der Eidechse, die Eidechse vom Ichneumon, dieses vom Hund gejagt wird; der Hund wird dann vom König geschlagen, der Jäger stiftet dann eine Empörung gegen den König. Diese hat schon Benfey mit Grimm's Mährchen Nr. 30 des „Läuschen und des Flöhchen" zusammengestellt. Doch kommt man leicht in's Gedränge, wenn man mit Liebrecht dasselbe „Leitmotiv" in drei afrikanischen Fabeln wieder findet, die Sir Gray bei den Hottentotten gesunden hat, von denen eine also schließt: „Die Ameise kneift den Elephanten; Das Elephant trinkt das Wasser; Das Wasser löscht das Feuer; Das Feuer verzehrt das Holz; Das Holz prügelt den Hund; Der Hund beißt die Katze; Die Katze frißt die Maus". Siehe Bleek „Reinecke Fuchs in Afrika" S. 28 (vergl. 70 und XXIV). Auf alle Fälle gehört das Lied dem fernen Osten und der Urzeit an, und dürsten die slavisch-tartarischen Stämme den Ausgangspunkt für das Abendland, wie bei so vielen anderen Sagen, bilden. Das wird sich noch klarer an dem Zahlenlied zeigen. Wie das hebräische Echad mi Jodea, so trägt auch das oben angeführte griechische einen ernsten religiösen Charakter. Brüll Jahrb. IV, 97 führt neben den österreichischen Bollslied: „Guter Freund, ich frage Dich" :c., das Strackerjan als oldenburgisches Pfingstlied (S. Strackerjan Aberglaube und Sage aus Oldenburg 1867 II, 50) und Rochholz (Allem.