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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1889-01-01 · Heft 2 · p. Seite 235

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1889
Issue
Heft 2
Article
Sage und Sang im Spiegel jüdischen Lebens
Date
1889-01-01
Page
Seite 235 (sequence 2)
Language
German
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Kohler: Sage und Sang im Spiegel jüdischen Lebens. 235 Seltsamerweise glaubt Sanders in s. „Volksleben der Neugriechen" S. 95 u. 328 ähnlichen griechischen Volksliedern einen jüdischen Ursprung zuschreiben zu müssen. Das griechische Lied lautet: War einmal ein Alter, Und da kam der Ofen Der hatte ein Hähnchen, Und verbrannt den Stock da :c. Das krähte und weckte » Dm Armen, den Alten. gegangen Und verlöscht den Ofen :c. Kam der Fuchs gegangen, . 5.^. Und fraß auf das Hähnchen ^m der Ochs gegangen Das krähte :c. ^""k den Fluß aus ,c. « . . Kam der Wolf qeqanqen Kam der Hund geqangen - 1, ^^-c^» c5-T.-^^ ü"d fraß auf den Ochsen :c. Und fraß auf das Fuchschen , » , Das da fraß das Hähnchen :c. Kam der Hirt gegangen . ^5 ^ud erschlug den Wolf da 2c. Fiel der Stock herunter Und erschlug den Hund da Kam die Pest gegangen Der da fraß das Füchslein 2c. Und rafft fort den Hirten :c. Sanders glaubt nun die Sache damit erledigt zu haben, daß er an die ähnlichen Volkslieder der Deutschen erinnert, wie: Der Herr der schickt den Zochem aus, Er soll den Haber schneiden; Der Zochem schneidet den Haber nicht, Und kommt auch nicht nach Haus. Da schickt der Herr den Pudel naus, u. s. w. oder das elsässische: S' schemol e Frau g'sinn Die hat e Schnirrchele g'hat, worin das Schnirrchele (Ferkelchen) vom Hundele, das Hundele vom Bengele, das Bengele vom Feuerte, das Feuerte vom Wässerle, das Wässerte vom Vorgang annahm, jüdischen Ursprungs sei, sondern bei den Katholiken entstanden, von diesen zu den Protestanten und von diesen zu den Juden übergegangen sei, wird durch einen von Perles erbrachten Beweis bestätigt. (Vgl. dessen Aufsatz Die Berner Handschr. d. kleinen Aruch S. 37 fg. in der oben S. 99 erwähnten Iubelschrift; für die das. gegebene Notiz lag mir nur eine buchhändlerische Anzeige, nicht aber die Schrift selbst vor.) Er macht nämlich geltend, daß das Lied in allen älteren nichtdeut scheu Haggadahs fehlt, daß es ferner in den in Deutschland erschienenen stets von einer feststehenden deutschen Übersetzung begleitet wird und daß endlich der Schlußrefrain „unser Gott, der da lebt und der da schwebt im Himmel und aus der Erd" genau mit der Fassung im Volkslied übereinstimmt. Wir hätten also auch hier wieder einen Fall, daß die deutschen Juden sich ein deutsches Lied angeeignet und zu ihrem Gebrauch zurechtgemacht hätten. Aehnlich wird es wol auch mit dem zweiten Pesachliede Chad gadja gegangen sein, dessen deutsche Fassung („Ein Zicklein, ein Zicklein") außer bei Urlich, Sammlung jüd. Geschichten in der Schweiz, Sammlung 1768, S. 132 fg., sich in manchen Volksliedersammlungen findet. (In „des Knaben Wunderhorn" hat es eine Anzahl jüdischer Worte und die Ausschrift „Für die Iüngelchen von unsere Leut". Schon vorher (1811) hatte Arnim den Anfang des Liedes in feinem Schauspiel „Halle und Jerusalem" veröffentlicht, auf dessen Zeitschr. f. d. Gesch. d. Juden i. Deutscht. III. 16

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