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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1889-01-01 · Heft 2 · p. Seite 234

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1889
Issue
Heft 2
Article
Sage und Sang im Spiegel jüdischen Lebens
Date
1889-01-01
Page
Seite 234 (sequence 1)
Language
German
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234 Kohler: Sage und Sang im Spiegel jüdischen Lebens. Sage und Sang im Spiegel judischen Lebens. Von K. Köhler. I. Das Zahlen- und das Zicklein-Lied in der Pesach-Haggada. Unter der Aufschrift „Ein deutsches Kinderlieb aus hebräischer Quelle" im 1. Heft des 3ten Bandes dieser Zeitschrift^) folgt der Herausgeber der Ansicht derjenigen Literarhistoriker die keinem Brauch oder Gedicht ein höheres Alter zuzuschreiben gestatten, als ihnen documentarisch nachgewiesen werden kann. Mit diesem falschen Axiom hat der Altmeister Zunz in seinen „Gottesdienstlichen Vorträgen" und seinem „Ritus" fehr Vieles in ein schiefes Licht gestellt, und die Emanzipation von der Autorität Zunz's wird, so glaubt sich Schreiber Dieses zuversichtsvoll ausdrücken zu dürfen, eine neue Epoche in der Geschichte der jüdischen Literatur eröffnen. Zunz selbst sagt einmal von der hebräischen Sprache, mit Anspielung auf ein bekanntes jüdisches Sprichwort: AcharL Möth Kdöschim, daß der Tod erst sie zur heiligen gemacht habe. Auch von Spruch und Sage gilt dasselbe. Was aufgezeichnet wird, das hat bereits sein natürliches Leben im Volke gehabt. Die gesammte apokrhphisch-mystische und midraschische Literatur ist älter als sie die Literarhistoriker, den innern Geschichtsgang verkennend, darstellen. Zun; in s. G. V. S. 126 setzt die beiden Pesach-Abend-Lieder: das Lied vom Zicklein und das Zahlenlied in's 15le Jahrhundert, aus dem sehr dürftigen Grunde, daß seine Existenz nicht eher nachgewiesen ist; dagegen schreibt er ihm einen fremden, und zwar weil ihm ausländische Lieder desselben Inhalts nicht bekannt sind, deutschen Ursprung zu. l^Die von mir (Zeitschr. Bd. III, tzv. 93) gegebene Anregung hat mir vier belehrende liebenswürdige Zuschriften der Herreu VI). M. Grünwald, L. Löwenstein, I. Perles, A. Rosenzweig eingebracht, in Folge deren ich nochmals auf den Gegenstand zurückkomme. Auf die Autorität von Zunz glaubte ich ohne Weiteres annehmen zu dürfen, daß das dcr Pesach-Haggadah angehö'rige Lied: „Wer weiß eines?" oder „Lieber (guter) Freund ich frage dich" dem 15. Jahrhundert angehört. Nun schreibt aber Herr vr. Grünwald Folgendes: „Wie mir Herr Adolph Öfter aus Xanten mittheilt, finden sich in den alten Ausgaben der Pesach-Haggadah 1569 Salonichi, Cremona, Constantinopel, Venedig, Ristrowitz weder dieses Lied „Wer weiß Eines" noch Chad gadja, ja selbst in einem mir gehörenden Siddur, gedruckt in Frankfurt am Main, findet sich keines dieser beiden Lieder. Wir finden jedoch dieses Lied in der Tetzelocramia mitgetheilt von G. A. Erdmann in seinen Lutherfestspielen (vgl. hierüber jüd. Centralblatt 1888 x. 100—101), wo es mit dem von Schollen mitgetheilten Volkslieds fast völlig übereinstimmt". Die Schlußfolgerung, die mein geehrter Corresvondent daraus zieht, daß das Lied nicht, wie ich nach Schollens

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