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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1889-01-01 · Heft 2 · p. Seite 225

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1889
Issue
Heft 2
Article
Vor hundert Jahren
Date
1889-01-01
Page
Seite 225 (sequence 41)
Language
German
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Geiger: Vor hundert Iahren. 225 mit den Seinen die Taufe anzunehmen. Der Rabbiner Markus und seine Tochter bedarf noch längerer Ueberlegung, um diesen Schritt gleichfalls zu Lhun. Dann nimmt die ganze Gesellschaft die Taufe an. Hernau wird mit seiner Charlotte, Sophie, die Tochter des Rabbiners, mit dem Prediger glücklich. Alle leben an dem Orte, an welchem der Prediger wirkt, Sampson und Hernau kaufen zusammen ein gerade frei gewordenes Gut, das sie bewirtschaften. Zu bemerken ist an dieser sehr merkwürdigen Geschichte allerdings das eine, daß eine vollständige Lösung der Skrupel, welche von den jüdischen Freunden aufgestellt werden, nicht gegeben wird, und daß insbesondere der innere Kampf des Rabbiners etwas flüchtig dargestellt und allzu schnell entschieden wird. Aber doch ist das ganze Buch ein merkwürdiges Zeugnis für den respektvollen Ton, in welchem damals durchaus eifrige Christen von Juden und jüdischer Lehre sprachen, und liegt fernab von der heftigen, nicht selten unwürdigen Polemik, in welcher sich damals die Kämpfenden gefielen. Die der zweiten Klasse angehörige Zahl ist Legion. Wenige der angesehenen Familien Berlins blieben in allen ihren Gliedern dem Judentum anhänglich: einzelne Beispiele sind schon oben gegeben. Hier soll kein Versuch gemacht werden, eine vollständige Liste der getauften Jüdinnen aufzustellen. Nur ein Fall, über welchen aktenmäßige Mitteilungen vorliegen, soll hervorgehoben werden, weil die Persönlichkeit, die es betrifft, in der deutschen Literatur eine Rolle spielt. Es ist Frau von Grotthuß, die sich eine Freundin Goethes nennen durfte (vgl. Zeitschrift Bd. I, S. 326 fg.). Unter dem Titel „Akta wegen der von dem Prediger Stein getauften und wieder zum Judentum zurücktretenden Geschwister Meher" ^) befindet sich in dem Geheimen Staatsarchiv ein Fascikel, welches ein Rescript der Regierung an das kurmärkische Consistorium vom 7. November 1788, die Antwort desselben und den Bescheid der Regierung vom 1. Dezember enthält. Aus diesem Bescheid, der die ganze Sache erläutert, seien folgende Sätze mitgeteilt: „Der Vorgang mit den beiden getauften und zu ihrem alten Glauben wieder zurückgekehrten Jüdinnen, Geschwister Aron Meyer, hat zuviel ärgerliches Aufsehen erregt, als daß solcher ohne Ahndung durchgelassen werden könnte. Die von dem Prediger Stein zu Welsickendorf vorgeschützte Unwissenheit der Landes-Verordnungen entschuldiget ihn um so weniger, da es ihm nicht an mehr erfahrenen Amtsbrüdern gefehlt, mit welchen er zu Rathe gehen können und nicht einst (-einmal) ein scheinbarer Vorwand angegeben ist, welcher der Uebereilung beh dieser wichtigen Handlung auch nur einen Anstrich zu geben vermag; unverzeihlich aber ist es, daß der Stein an der Sarah Wulff ohne vorgängigen Unterricht und Vorbereitung und ohne alle Prüfung ihrer Kenntnisse, bloß auf ein von derselben eingereichtes schriftliches Glaubensbekenntniß die Taufe vollzogen. Es befremdet Uns daher nicht wenig, daß Euch die Gewissenlosigkeit des Stein nicht sofort eingeleuchtet, und Ihr durch die von ihm vorgespiegelte Lauter- Nur eine Notiz darüber „der sonst wenig erhörte Fall einer rückgängig gewordenen Taufe" bei Varnhagen v. Ense, Verm. Schriften, 2. Theil S. 76.

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