Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 2
- Article
- Vor hundert Jahren
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 215 (sequence 31)
- Language
- German
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Geiger: Vor hundert Iahren. 215 Schriften dafür und dawider veranlaßt, dergestalt, daß nicht zu erwarten steht, über diesen Gegenstand etwas neues vorzubringen. Die Geschichte zeigt (W. Lüdecke), daß nicht allein bei vielen morgenländischen Nationen, sondern auch bei den Griechen, davon die meisten aufgeklärten Nationen ihre Kenntnisse mehrentheils zu verdanken haben der Gebrauch der frühen Beerdigung eingeführet war, welcher auch bei vielen iezt eristirenden europäischen Nationen beibehalten werden. Auch diejenigen Religionsverwandten, welche ihre Todten länger als wir zum Begraben liegen lassen, haben dabeh meines Erachtens nichts weniger als die Abficht, die Wiedererholung ins Leben zu erziehlen. Denn wäre dieses, würden sie nicht ihre Todten ganz sorglos ohne alle Aufsicht in der Kälte liegen lassen, indem bei dieser Behandlungs-Art jeder Lebensfunken, der etwa noch in ihm zurückgeblieben sein möchte, nothwendig erlöschen mußte; Aller dieser herausgekommener Schriften ohnerachtet, sind sie dennoch von ihrem Gebrauch nicht im mindesten abgewichen. Ganz anders aber ist unsere Behandlungs-Art der Kranken und Todten. Bei jedem Kranken, auch dem Allerärmsten, wird ein Arzt zum Konsulenten angenommen. Sobald die Krankheit gefährlich zu werden anfängt, werden gedungene, sowohl als aus ver wohlthätigen Gesellschaft unentgeldlich Leute bestellt, die den Kranken bewachen und alle seine L^inxtvine okserviren. Leute, die schon vielen Kranken und Sterbenden beigestanden und dadurch viel Erfahrung gesammelt haben, außerdem aber noch beständig mit dem 5rs- Mentirenden Arzt Rücksprache nehmen, welcher doch gewöhnlich den herannahenden Tod vorauszusagen pflegt; bei der strengsten Aufmerksamkeit dieser Leute, durch welche sie die Lebensgeister stufenweise abnehmen sehen und die Symptome des Todes wahrnehmen und selbst nach anerkanntem Tode ihn noch immerfort bewachen, überdies auch unsere Reinigungsgebräuche bei den Todten viele Reizungen zum Wiederaufleben geben; bei dieser Behandlungs-Art von solchen ersahrenen Leuten sage ich, wenn diese ihn einmal für todt anerkannt haben ist wohl keine Hoffnung zum Wiederausleben übrig. Umsoviel weniger konnte ich vermuthen, daß gerade wir die herausgekommene Schrift wieder die frühe Beerdigung zu wiederlegen würden aufgefordert werden. Da aber E. h. K. Kammer Ihnen meine Herren aufgegeben mit Zuziehung meiner die etwa habende Vedenklichkeiten wieder den Aufschub des Begrabens anzuzeigen, so unterwerfe mich u. th. diesem hohen Befehl und erkläre wie folgt: Der Gebrauch der frühen Beerdigung ist bey unserer Nation von ewigen Zeiten her, welches aus vielen Stellen im l'almuä zu erweisen ist, wie auch bereits verschiedener der berühmtesten Rabiner, als solches dargethan haben; hauptsächlich hat die Probe des Odem-Verlustes seinen Grund im Talmud daß sie solchen für ein sicheres Kennzeichen des Todes gehalten haben (wie im l'raetat l'uma x>. 85 zu sehen ist) aus verschiedenen Stellen im l'almuä erhellet, daß die Rabiner die Erhaltung des Menschenlebens als eins der allerheiligsten und wichtigsten Gesetze geachtet haben. Es LubLeküt? ^aeod Lirseli Lseekiel I^anäs.u Rabiner zu Spremberg „ „ Emden „ Prag