Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 2
- Article
- Vor hundert Jahren
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 214 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2259275-2259329-2259332-2263994--1150-2264141- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
214 Geiger: Vor hundert Jahren. Die herz, mecklenb. Geh. Räche nämlich theilten eine von ihnen (18. Dec. 1793) an die dortige Judengemeinde erlassene Verfügung mit, daß die Leichen 3 Tage vor der Beerdigung liegen müßten und bitten, man möge in Berlin eine ähnliche Verfügung machen. „Die hiesige Judenschast ist bereit, sich den Verordnungen zu unterwerfen, so bald dorten eine gleiche Vorkehrung bewürkt werden kann". Neu-Strelitz, 20. Dec. 1793. Dies Schreiben wird vom auswärtigen Amt den General-Direkt, mitgetheilt, 17. Jan. 1794, das am 30. Dec. 1793 einsendet 1. Gutachten des Rabbi Hirsche!. 9. Nov. 1794 s. u. 2. Bericht der Churm. Kammer, die das Gutachten verwirft, namentl. auf Grund der Schrift von Joel Löwe. 30. Nov. 1794. 3. seine Meinung. Das Gen.-Dir. setzt die reliösen Vorurtheile bei den meisten Juden in Betreff der Beerdigung auseinander und schließt: „Wir gedenken also nicht unter solchen Umständen schon jetzt die Juden zu zwingen, sondern werden eine mehr ausgebreitete Aufklärung in diesem Stück abwarten". Das auswärtige Amt schließt sich in seinem Schreiben an die mecklenb. Räthe wörtlich der Ausführung des Gen.-Direkt. an. 28. Febr. 1795. Das Gutachten des Rabbiners lautet: Aus der an Ihnen, Edle Herren, ergangene Königl. Kammerordre vom 13. Febr. 1794 und dem von Ihnen hinwiederum gegen mich geäußerten Verlangen, die gegen die vom Professor und Lehrer der Wilhelms-Schule zu Breslau Herrn ^oel I^ö^e herausgegebene Schrift, die frühe Beerdigung betr. etwa habende gründliche Bedenklichkeiten ihnen mitzutheilen konnte ich Schwachheit halber so lange nicht Genüge leisten. Die frühe Beerdigung und Verwahrlosung der Todtscheinenden hat schon seit geraumer Zeit unter den berühmtesten Aerzten als Rabinern viele stellung der in den Jahrgängen 1787 und 1788 der genannten Zeitschrift aus Juden bezüglichen Aussätze interessiren; sie zeigt, ohne daß sie den Anspruch aus Vollständigkeit erhebt, welches Interesse auch diese (gleichfalls aufklärerische) Zeitschrift den Juden entgegenbrachte: Verordnungen betr. die den Juden in Ansbach gewährte Erlaubniß am Sonntag Handel zu treiben. Wetzlarer Entscheidung in dem Proceß eines Juden gegen seine Vormünder, 1787 Bd. II, S. 320 ff. Zwei jüdische Gedichte auf die Huldigung des Königs Friedr. Wilh. II. (5. und 11. Okt. 1786), das eine von den Oberrabbi und den Judenältesten zu Glogau, das andere von der Gemeinde in Breslau (dem Monarchen durch Demois. Esther Gad überreicht). Beide Stücke werden mitgetheilt von Ehrhardt, Past. zu Beschine. Das. II, 503 eine Correspondenz „aus Franken" über Aufnahme eines jüd. Knaben in das Würzburger Gymnasium als einen ganz unerhörten Fall und über die freundliche Art, in der Lehrer und Mitschüler ihn behandeln. 1788 Bd. I, S. 209 fg.: Boshafter Artikel „Von den Hallischen protestantischen Misstonarien zur Bekehrung der Juden" gegen das Missions-- wesen überhaupt und gegen die kleinliche unpriesterliche Gesinnung einzelner Beamten. Das. Bd. II, S. 457—464 „Parallelen zwischen dem christlichen und jüdischen Einwohner": Mitgefühl für die Juden, aber Hinweis darauf, daß der christliche Landmann gleichfalls schwer bedrückt unter dem Elend seufze: gegen Intoleranz, Neckereien, welche die Juden durch die Christen zu leiden haben; Klage über den mangelhaften moralischen und literarischen Zustand der Juden. Im Allgemeinen sei freilich „ihr äußeres Betragen mit einem weit bessern Anstand verbunden" und „fast Jeder kann wenigstens lesen und zur Noth seine Judensprache schreiben. Das läßt sich so allgemein von einer Menge von Christen nicht behaupten".