Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 2
- Article
- Vor hundert Jahren
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 201 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Geiger: Vor hundert Jahren. 201 FriedlaenderNro. 57. 58: „Jüdische Aufklärung, der jüdisch-polnische Selbstmörder Bendavid". Fast die ganze Nummer 61. 62 behandelt jüdische Dinge „den verbannten Owadich" betr. Nro. 75 und 76: „Monsieur koscher Schweizerkäse. Der jüdische Figaro. Jüdische Polackenfeuerjagd". Jedenfalls von demselben Autor rührt ein anderes periodisches Unternehmen her, das folgenden Titel führt: „Blumengärtchen, angelegt von Julie Karoline Tlantlaquatlapatli, geb. von Jpsilischnipsilischnipsi"Auch in diesem ist mancher Artikel den Juden gewidmet. Im 3. und 4. Bändchen begegnen z. B. nachstehende Überschriften: „Rabbiniade. Raphael. Jokusiel. Friedländer. Hartwig Wessely. Plirschel, Saul. Jtzig. Marcus Herz." Die Tendenz der mir bekannt gewordenen Aufsätze ist durchaus keine judenfeindliche. Der Verfasser steht vielmehr auf dem Standpunkt der Aufklärung und beleuchtet von diesem aus jüdische Angelegenheiten. Besonders lebhaft bekämpft er in den obenangeführten zahlreichen Artikeln, die übrigens durch ihre Sachkenntnis und ihren ganzen Ton auf einen jüdischen Verfasser schließen lassen, den Hamburger Rabbiner, der einen der Berliner Aufklärer in Bann gethan hatte, kämpft gegen die Engherzigkeit der „Talmudisten", spricht für die Ausklärung und fordert die Berliner Oberlandesältesten auf, gegen jenen Rabbiner zu Felde zu ziehen und den von ihm Gebannten zu schützen. Auch sonst tritt er für die Juden ein. So tadelt er z. B. einen christlichen Gelehrten, der zwei jüdischen Studenten keine Wohnung geben wollte, nur eben weil sie Juden waren. Wenn er ferner gegen die fremden Juden polemisiert, welche sich in Berlin aufhalten, so schließt er sich damit nur der Auffassung der tonangebenden Berliner Kreise an, welche grade durch dieses Eindringen fremder, meist armer, nicht immer redlicher Juden, für deren Verhalten sie aber verantwortlich gemacht wurden, sich selbst geschädigt hielten. Seltner geht er mit Spott auf kleinere Vorfälle ein. Nicht ohne Witz beschreibt er einmal einen von jüdischen Dienstmädchen veranstalteten Ball, der von der Polizei gestört wurde; ein anderes Mal macht er sich luftig über einen jüdischen Stutzer, den „schönen Baer Bro", den er als „jüdischen Figaro" und mit einem nicht seinen Scherze als „koscher Schweizerkäse" bezeichnet. Auch im 5. und 6. Bändchen (Dez. 1789—April 1790 stehen manche den Juden gewidmeten Aufsätze. In einem derselben „Der polnische Judenschächter und seine christliche Anonima aus Sachsen" (S. 124 ff., 192 ff.) tritt der aufklärerische und humane Standpunkt des Zeitungsschreibers besonders deutlich hervor: ein jüdisches Dienstmädchen wird von den in der Aufschrift Genannten ungerecht denunziert, ins Gefängnis gesetzt und trotz der Ver^ Wendung ihrer früheren Herrschaft — es ist die Familie des Js. Daniel t) Bei dieser Gelegenheit mag auf einen Bericht der Voss. Ztg. vom 21. Juli hingewiesen werden, der eine sinnige Dekoration rühmt, welche Isaak Benj.Wulf bei seiner Kattunfabrik am Ende des kgl. Tiergartens angebracht hatte; er ließ die nach Charlottenburg fahrende Prinzessin von seinen Enkelinnen mit einem Gedicht begrüßen und ihr Früchte überreichen. 2) Diese zweite Zeitschrist habe ich mir nicht verschaffen können.