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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1889-01-01 · Heft 2 · p. Seite 197

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1889
Issue
Heft 2
Article
Vor hundert Jahren
Date
1889-01-01
Page
Seite 197 (sequence 13)
Language
German
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Geiger: Vor hundert Iahren. 197 dagegen „Jüdische Wucherer" (Bd. II, S. 67—74) will er den Vorschlägen anderer Schriftstellern, den Juden eine bessere Stellung zu gewähren, nichts wissen und bekämpft ihre „verderbten Grundsätze" und „verkehrte Moral". Er weist auf den bereits von den „Hieroglyphen" gebrandmarkten Lazarus Samuel als auf einen Hauptbetrüger hin und nennt die zu Stargard in Pommern Hingerichteten Juden als Zeugen des ungeheuren Grades von Verbrechen, zu welchem die Juden sich erheben. Wolle man sie dem Staate nützlicher machen, so müsse man sie erst von innen heraus verbessern; er macht insbesondere Mendelssohn, den er sonst sehr verehrt, den Vorwurf, daß dieser Philosoph, der den Verstand seiner Glaubensgenossen zu erhellen suche, es versäume, sie „in Rücksicht ihrer Moral und ihres bürgerlichen Wandels aufzuklären." In derselben Schrift I, 206 fg. dagegen findet sich folgende ganz anders geartete, sehr merkwürdige Stelle über die Berliner Jüdinnen, die wert ist, der Vergessenheit entrissen zu werden. Sie lautet: „Noch zum Ruhm des hiesigen jüdischen Frauenzimmers sei es gesagt, daß wohlerzogene tugendhafte, an Herz und Verstand gebildete Mädchen und Frauen nicht selten unter ihnen sind, und daß man verschiedene antrifft, die Christinnen beschämen und solche vortreffliche Eigenschaften besitzen, daß sie jedem edlen Mann Bewunderung und Hochachtung ablocken. Schade daß das Borurteil der Religion sie aus dem Zirkel der menschlichen Gesellschaft verweiset, ja oft hinausstößt, und daß sie ihr Licht nicht verbreiten können, sondern oft unterm Scheffel verbergen müssen. Sie sind gute Wirthinnen, halten es sich für keine Schande, rechtschaffene Mütter und treue Weiber zu sein, haben ein Herz zur wahren Liebe geschaffen und selten brechen sie den Schwur. Sie kennen die Geschichte ihres Volks, kennen die Geschichte der Erde und sind zum Teil mit den Werken der großen Männer bekannt, die unter allem Volk gewirkt haben. — Ich habe bei verschiedenen auserlesene Bibliotheken und nicht blos Romane und Schwänke, sondern philosophische und moralische Werke angetroffen. An körperlichen Reizen fehlt es ihnen auch nicht und es gibt Schönheiten unter ihnen, die sie durch Sittsamkeit noch mehr zu erheben wissen." Eine Schrift ganz anderer Art ist die „Philosophische Skizze von Berlin" (Philadelphia 1788). Die Schrift gibt schon durch ihren Verlagsort—Bruderliebe ihre Tendenz an; sie führt das Motto; „Das eigentliche Studium der Menschheit ist der Mensch" und deutet schon dadurch auf ihren Zweck, der echten Menschenwürdigung, der Ausklärung zu dienen. Unter den Kapiteln befindet sich kein speciell den Juden gewidmetes; in dem Abschnitt „Religion" wird kein Unterschied zwischen den einzelnen Konsessionen gemacht, sondern nur zwischen Aufklärung und deren Gegensatz, in anderen wird Toleranz gepredigt, Aufklärung verherrlicht und Friedrich der Große als Hauptvertreter derselben unendlich gepriesen. Nirgends begegnet in denjenigen Kapiteln, in welchen es sich um religiöses Wesen handelt, der Name ..Jude"; ein einziges Mal, in dem Kapitel „Menschengattungen und Anzug" wird neben Banquiers, Kaufmannschaft und Fabrikanten noch „die zahlreiche Judenschast" genannt, jedoch nicht die geringste weitere Bemerkung hinzugefügt.

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