Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1889-01-01 · Heft 2 · p. Seite 196

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1889
Issue
Heft 2
Article
Vor hundert Jahren
Date
1889-01-01
Page
Seite 196 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2259275-2259329-2259332-2263994--1132-2264123
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

196 Geiger: Vor hundert Jahren. 3. Bücher, Zeitschriften, Pamphlete mit einem urkundlichen Anhang. Wie Zeitungen und Adreßkalender, so nehmen von Juden auch die Bücher und periodischen Schriften Notiz, ja sie thun dies ihrem Wesen nach in ausführlicher Weise. Denn während Kalender und Zeitungen kurze Aufzählungen und Berichte geben, behandeln die Flugschriften in ausführlicherer Weise ihren Gegenstand. So enthält eine anonyme Schrift „Schattenriß von Berlin (Amsterdam 1788) ein besonderes Kapitel über Juden (S. 48—52). Die Juden werden als Geldleute, aber als unredliche hingestellt, die ihren Reichthum benutzen, um sich die Christen zu verpflichten nnd die Gelehrten zu Apologien zu veranlassen. Der Verf. gefällt sich in Uebertreibungen „der Nazionalreichthum in Berlin befindet sich größtenteils in den Händen der Juden". Lebensart und Bildung schreibt er Juden und Jüdinnen zu, obwol er in der der Letzteren viel Gezwungenes sieht und diese als Vertreterinnen einer nicht immer würdigen Galanterie bezeichnet. Nur eins weiß er zu rühmen. „Die jetzigen Gelehrten von der Judenschast sind mehrentheils Aerzte und wackere rechtschaffene Männer, die blos für die Wissenschaften leben und über die groben Vorurtheile ihrer Nazion hinweg sind". Dasselbe Büchlein enthält aber auch in anderen nicht ausschließlich den Juden gewidmeten Abschnitten einzelne Notizen über sie. Aus allen geht die eigentümliche Stellung des Autors hervor: er erkennt in den Juden eine überaus einflußreiche, aber dem Gesammtwohl schädliche Klasse. Für diese Gesinnung characteristisch ist namentlich eine Aeußerung in dem Abschnitt „Staatsrath", (S. 22) die freilich mindestens ebenso beleidigend für die Mitglieder dieses hohen Kollegiums, wie für die Juden ist; diese werden als die Bestechenden, jene als Bestochene denuncirt: „Es gibt Beyspiele, daß die Juden in bedenklichen Fällen, wo sie Jedermann für verloren gab, durch den geschickten und guten Vorschub eines und des anderen ganz rein gewaschen wurden. Das besondere dabei war, daß diese Leute, die schon ganz zur Mission nach Spandau reif waren, einige Tage vor Abfassung des Bescheides, sehr lebhafte Träume von ihrer gänzlichen Absolution gehabt hatten." (Vrgl. eine ähnliche Aeußerung über Judencliquen, S. 69)^). Nicht viel glimpflicher geht der Verf. einer „Characteristik von Berlin-) mit den Juden um. Freilich in dem Kapitel „Juden" (Bd. I, S. 253—256) rühmt er, wenn er auch Wucher und Raub der Juden beklagt, ungemein den Daniel Jtzig den er als „einen Mann von edlem Character und unbescholtenen Wandel" bezeichnet, protestirt gegen die Ansicht „unzeitiger Bekehrer", solche Männer müßten Christen werden und versichert, noch keinen jüdischen Proselhten getroffen zu haben, „der es aufrichtig mit dem Christenthume gemeint". In einem andern Kapitel Anderes „vornehme Juden" und „jüdische Damen" als Konzertbesucher S. 90; ein Dezernent erhält einen Verweis, daß er gegen einen Juden, der das Zuchthaus verdient, zu streng verfahren wäre (S. 75). „Das vermochte die Vorbitte eines jungen jüdischen Mädchens mit einem Esthergefichte." 2) Stimme eines Kosmopoliten in der Wüste. Zwei Bände. Philadelphia 1785. Der 1. Band bezeichnet sich als 2. verbesserte und vermehrte Auslage.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.