Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 2
- Article
- Vor hundert Jahren
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Geiger: Bor hundert Iahren. 195 thum und Bildung gleich hervorragenden Hofbankiers und „Eysig Kohn Lazarus, Theater- und Kassen-Diener"; auch der unter den Billet-Einnehmern an letzter Stelle genannte „Veit wohnt in der Mauerstraße in seinem Hause" (S. 326) dürfte ein Jude sein. Das eigenthümlichste Zeichen von officieller Beachtung, welche die Juden fanden, ist die in dem zweiten, Potsdam gewidmeten Theile unseres Buches, befindliche Aufzählung der „Jüdischen Synagoge" nach Erwähnung des griechischen und katholischen Gottesdienstes. Als Beamte der Synagoge werden genannt: „Daniel Koppel, interims-bestellter Rabbiner und Buchhalter von der Hirsch-David Sammt - Fabrike; Koppel Anschel, Kantor und Schächter, Schlaum Elias, Klöpper". Inoffizielle Erwähnungen der Juden sind hänfig genug. Freilich die Fabrik, deren Buchhalterstellung für den Potsdamer Rabbiner wol einträglicher war als sein Rabbinat, sucht man vergeblich, aber zwei andere, von Juden in Potsdam geleitete, werden genannt „Jsaac Joel sel. Erben, Tapen (! etwa Tapeten?) uud Manschetten-Broderie-Fabrikanten" und „Jsaac Lazarus Oppenheimer, Sans-Paine (!) Fabrikant". In Berlin wird von jüdischen Kaufleuten nur einer erwähnt; als einziger „Jouvelier" figurirt (S. 350) „Hr. Ephraim Beitel, Hofjouvelier und Agent". Als „approbirte Aerzte jüdischer Nation" werden 6 genannt: außer dem schon 1773 erwähnten Bloch (Lemos war unterdessen gestorben) Moses Böhme 8en. und Benedictus Böhme Mu., Markus Herz, Professor der Philosophie und Fürstl. Waldeckischer Hosrath, Jeremias Jacob Wolff und David Oppenheimer. Auch eine „Gesinde-Mäcklerin jüdischer Nation" wird aufgeführt, „die verehlichte Wulfin, vermiethet bey Christen und Juden Dienstboten behderley Geschlechts" und „Engel Bebrend, verehlichte Hirschen" ist als „Hebamme der jüdischen Nation" genannt. (S. 345, 349.) Den großen socialen Fortschritt, den die Juden in den Jahrzehnten machten, welche mit 1789 begannen, kann man in dem Kalender von 1806 nicht vollständig erkennen. Daß einzelne Fabrikanten, (Jouvelier D. I. Ries an Stelle von Ephr. Beitel), Aerzte (nun bereits 12, von den früheren leben nur noch zwei), Billeteinnehmer beim Theater verzeichnet sind, bedeutet keine Aenderungen, aber zwei Notizen kündigen einen Umschwung an. Die erste ist, daß unter den Officianten des General - Chaussee - Bau- Departements von der Churmark und Pommern (S. IVO) an erster Stelle genannt wird: „Hr. Israel Daniel Jtzig. Hofbaurath" und daß als „Assessor des berlinischen Manufactur- und Kommerz-Kollegium" sowie als „Curator der königlichen Handlungsschule, Herr David Friedländer, an der Präsidentenstr.-Ecke Nro. 1" bezeichnet wird. (S. 213, 250.) Damit ist ein wichtiger Schritt geschehn, den Juden Eingang in öffentliche Aemter, Ehrenstellen, welche vom Staate gegeben werden, zu verschaffen; und damit sind zugleich zwei Männer genannt, welche in vorderster Reihe für die Emancipation der Juden gekämpft haben und daher auch in erster Linie da genannt werden müssen, wo es sich um die jüdischen Bürger Berlins handelt.