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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1889-01-01 · Heft 2 · p. Seite 193

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1889
Issue
Heft 2
Article
Vor hundert Jahren
Date
1889-01-01
Page
Seite 193 (sequence 9)
Language
German
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Geiger: Vor hundert Jahren. 193 2. Aus alten Berliner Adreßbüchern. Das gegenwärtige Berliner Adreßbuch, in seiner stattlichen Ausdehnung ein Riese gegenüber den Büchelchen, welche im 18. Jahrhunderte und in den ersten Jahrzehnten des 19. dem gleichen Zwecke dienten, offizielle Mittheilungen über die Berliner Bevölkerung zu geben, enthält Mittheilungen über Juden nur im 4. Theile, wo es in der Zusammenstellung von Kirchen und Schulen, Anstalten und Instituten, Gesellschaften und Vereinen auch der jüdischen Gemeinde, ihrer wohlthätigen und wissenschaftlichen Einrichtungen, ihrer Synagogen und deren Beamten gedenkt. In den übrigen Theilen jedoch, dem alphabetischen Berzeichniß der Einwohner, dem Verzeichnis sämmtlicher Häuser mit Angabe der Eigenthümer und Miether, der Aufzählung der Einwohner nach ihren Beschäftigungen und Gewerben findet man keinerlei Hinweis auf die Confession der einzelnen Bürger. Anders in den alten Berliner Adreßbüchern, von denen vier auf die Jahre 1759, 1773, 1789 und 1806 mir vorliegen. Der Hauptunterschied zwischen diesen und dem gegenwärtig üblichen ist der, daß während gegenwärtig das Hauptgewicht darauf gelegt wird, sämmtliche Einwohner zu verzeichnen, damals im Wesentlichen nur ein Beamtenverzeichniß gegeben wird, wie schon aus dem Titel hervorgeht: „Adreßkalender der k'önigl. Haupt- und Residenzstädte Berlin Ait dem Ende des 8. Jahrzehnts tritt Potsdam hinzu^ und der daselbst befindlichen hohen und niederen Collegen, Jnstanzien und Expeditionen". Mit dem Zusatz: „Herausgegeben mit Approbation der königl. preuß. Akademie der Wissenschaften". (Letztere hatte nämlich das Privilegium für die Kalender; mit einem solchen aber wurde das Adreßbuch eröffnet.) Damit hing u. A. auch zusammen, daß eine Person mehrere Male (Minister v. Danckelmann erscheint im I. 1759 10 mal) aufgeführt werden konnte und daß ferner auch die außerhalb Berlins wohnenden „königlichen Ministri und Bediente" auch die abwesenden Mitglieder der k'önigl. Academie der Wissenschaften — letztere füllen mehrere Seiten — verzeichnet sind. Wir haben uns indessen hier ausschließlich der Erwähnung von Juden zuzuwenden. Solche findet sich im Kalender von 1759 gar nicht. Nur bei der Aufzählung des ersten Senats des Kammergerichts heißt es „bestehend aus dem combinirten Hof- und Kriminalgericht, Kriminal-Kollegia und der Juden-Kommission", aber es fehlt ebensowohl die besondere Angabe der Mitglieder der letztgenannten Kommission, als der Hinweis auf ihre einzelnen Obliegenheiten ^). Ob die S. 69 genannte „Agnes Rahel einen doppelten Feiertag hatte, vorzüglich thätig bewiesen." Endlich sei aus eine Annonce in der Spenerschen Zeitung (24. März 1791) hingewiesen: Der französische Prediger Garagnon zeigt an, daß er seine französischen Unterrichtsstunden vermehre, da er gehört habe, „daß verschiedene Familien der löblichen Iudenschaft innigst wünschen, daß ihre Kinder an dem Unterricht Anteil nehmen könnten." 5) Letztere lernt man aus Nicolais Beschreibung I, S. 248 kennen, wo es heißt: „Als Iudenkommission gehören für dieses Kollegium die Rechtssachen sämtlicher in hiesigen Residenzen wohnhasten Juden insofern sie nicht die Summe von lOO THlrn. übersteigen, oder nicht eine wechselmäßige Klage zum Grunde haben, in welchen beiden Fällen die Juden beim zweiten Senat belangt werden müssen."

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