Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 2
- Article
- Vor hundert Jahren
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 192 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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192 Geiger: Vor hundert Jahren. man bedenkt, daß dieser Verfasser ein nicht unter den günstigsten Umständen lebender polnischer Jude ist." Mit den eben beigebrachten literarischen Notizen steht eine auch für die allgemeine Kutturgeschichte nicht unwichtige Notiz im Zusammenhang, welche den Schluß dieser Zeitungsauszüge machen soll. Die königlichen Prinzen wurden im Jahre 1789 geimpft. Das galt damals, da es eben keineswegs allgemein vorkam, als hochwichtiges Ereignis, über welches die Zeitungen wiederholentlich berichteten^). Der englische Arzt Brown, der selbst die Inokulation vorgenommen hatte, wurde (Voss. Ztg. 17. Dez.) zum Geh. Rat und wirklichen Leibarzt ernannt, erhielt ein Geschenk von 10000 Thlrn. und das Versprechen, daß seine jährliche Pension bei der ersten Vakanz von 600 auf 1200 Thlr. erhöht werden solle. Dies Ereigmß gab Gelegenheit zu manchen patriotischen Huldigungen. In der Voss. Ztg. vom 3. Dezbr. zeigte die Petit und Schöne'sche Buchhandlung zwei Schriften an: „Die Freude eines Patrioten über die glückliche Inokulation der königlichen jüngsten Prinzen und Prinzessin von Preußen", ferner „Lied eines preußischen Husaren bei S. K. Hoheiten des Kronprinzen und Prinzen Louis von Preußen Durchmarsche aus dem Scharmützel der Pocken." Auch die Juden ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen, ihre patriotische Gesinnung zu zeigen. Eine Annonce (Voss. Ztg. 12. Dez.) machte bekannt: „Gebet der Judenschast in Berlin, bey Gelegenheit daß den Königlichen Kindern die Blattern eingeimpft worden; abgefaßt von Hrn. Hartwig Wessely; ist den 19. Nov. von den Hrn. Ober-Landesältesten auf Kosten der Gemeine hebräisch und deutsch gedruckt und auf vieles Begehren abermals aufgelegt worden." In ihrer nächsten Nummer (15. Dez.) brachte die Zeitung eine Korrespondenz aus Breslau (8. Dez.); „Außer den Gebeten, die in unseren Kirchen für die glückliche Wiederherstellung der Königl. Kinder gehalten worden sind, hat auch die hiesige Judengemeine ein hierzu besonders aufgesetztes Gebet täglich in ihren Synagogen gehalten, desgleichen auch einige hierauf passende Psalmen ebendaselbst vorlesen lassen")." Freilich starben im Jahre 1789 in Berlin 914 Personen an den Blattern (vgl. Mortalitätstabelle in der Verl. Monatsschr. 1790,1. Stück). Die Spener'sche Ztg. 2. Jan. 1790, die diese Notiz der Monatsschrift entnimmt, sügt hinzu: „Gottlob, daß unter den letztern kein Prinz des Königlichen Hauses ist, und diese nun sämtlich vor dieser entsetzlichen Krankheit gesichert sind." — Ludewig v. Baczco veröffentlichte in der Voss. Ztg. 14. Jan. 1790 ein Gedicht: „Empfindungen eines durch die Blattern Blindgewordenen bei der Genesung des Kronprinzen und Seiner Königlichen Geschwister." 2) In einer Anmerkung sollen wenigstens einzelne Notizen aus dem Jahrgang 1790 der Bosfischen Zeitung zusammengestellt werden. Ueber die Stellung der Juden in Frankreich gibt ein „Schreiben eines Juden in Paris an seinen Freund in B." (Boss. Ztg. 18. März 1790) nähere Nachricht. Es wird darin die Hoffnung ausgesprochen, die Juden würden dourZevIs aetits werden; dann folgen Mitteilungen über die Juden, welche in niederen und höheren Stellungen in der National-Garde dienen. In der Beil. zum 34. Stück (20. März), wird eine neue Adresse der Pariser Juden an die Nationalversammlung mitgeteilt, von welcher der Korrespondent sagt, die Freimütigkeit gehe darin bis zur Keckheit. Im April 1790 meldet dieselbe Zeitung, die Gemeinde Straßburg wolle der Judenschaft erst dann Bürgerrechte gewähren, wenn dieselbe sich durch Landbau und Handwerksthätigkeit deren würdig gemacht habe. Am 16. Sept. 1790 erzählt eine Korrespondenz von dem Brande in Nakel und den gemachten Löschversuchen, „wobei sich die hiesige Judenschaft, ob sie gleich