Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 2
- Article
- Vor hundert Jahren
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 191 (sequence 7)
- Language
- German
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Geiger: Vor hundert Jahren. 191 Die Sache machte derartiges Aufsehen, daß eine Wochenschrift, die freilich mit Vorliebe Skandalangelegenheiten behandelte, die „Berlinischen Merkwürdigkeiten" St. 29 und 30 einen Artikel brachte: „Der gefangene Jude Kaspar Jacob." Derselbe enthält freilich nicht vielmehr als die oben erwähnten und skizzirten Aktenstücke; nur fügt er hinzu, daß man den Gesuchten am 14. April bei einem Glaubensgenossen in einem Kleiderschranke versteckt fand. Daß die Juden keineswegs blos Handel trieben, geht aus folgender Annonce hervor (3. Dez.): „Die Tochter des Juden Abraham Lax, wohnhaft in der Rosenstraße bei dem Kupferschmied Seiler macht dem geehrten Publikum hierdurch bekannt, daß sie Kanten repariert und selbige sauber zusammensetzt, auch in Tischzeug dasselbe Muster hereinstoppet, empfiehlt sich daher bestens und verspricht billiges Akkomodement." Ueber die jüdischen Gelehrten Berlins erfährt man aus der Zeitung so gut wie nichts. Das ist freilich nicht sehr verwunderlich: denn der literarische Teil des Jahrgangs 1789 der Zeitung „von Staats^ und gelehrten Sachen" ist von einer unbeschreiblichen Dürftigkeit. Nur zwei Bemerkungen habe ich gefunden; sie verdienen eine Hervorhebung. Die erste ist eine von dem Generalchirurgen I. C. A. Theden (Berlin 23. Februar 1789) unterzeichnete Erklärung gegen die Ausnahme seines Namens und desjenigen des M. Herz in die Liste der „Union der XXII", einer von Bahrdt gegründeten geheimen Gesellschaft; eine Liste, die in dem 1789 bei Göschen erschienenen Buche „Mehr Noten als Text oder die Union der XXII" abgedruckt war. In der Erklärung heißt es: „Im Juli 1788 ward der Herr Pres. Herz eingeladen zu einer geheimen Gesellschaft der sogenannten XXII zu treten. Man sandte ihm zugleich mit der Einladung eine namentliche Liste der Mitglieder von sehr angesehenen bekannten Männern. Da unter diesen sich auch mein Name befand, so besprach sich Herr Prof. Herz sogleich mit mir und ich beteuerte ihm, daß ich nicht in der mindesten Verbindung mit dieser Gesellschaft stehe noch stehen möge. H. Herz, der mit äußerstem Befremden seinen Namen als schon verbundenes Mitglied aufgezeichnet fand, schlug unverzüglich die Einladung ab und bezeigte den XXII meinen Mißfallen wegen ihrer verbreiteten Lügen Eine der sehr seltenen Bücherbesprechunzen (29. Dezbr.) gibt S al. Maimons „ Versuch über die Transcendentalphilosophie." Die eigentliche Beurteilung bezw. Belobigung des philosophischen Teils übergehe ich; der Schlußsatz aber gehört durchaus in unser Bereich. Er lautet: „Die Bewunderung für den scharfsinnigen Verfasser und für seine im Verhältnis des tiefen Gegenstandes sehr deutliche Schreibart vermehrt sich noch, wenn Beiläufig mag bemerkt werden, obwol dies streng genommen die Juden nichts angeht, daß am 19. März Hippel sehr energisch gegen seine Aufnahme protestierte, ebenso (4. April) in einer Gesamterklärung Hintz, Scheller, Bruno, Prellwitz, Scheffner. Ihre Namen seien wider ihr Wissen und Wollen in die Liste ausgenommen worden, welche Beroandnis es auch mit andern uns sehr schätzbaren Personen haben mag." Endlich (14. Mai) erklärt auch der Hosprediger I. P. Bamberger, daß er nicht den geringsten Anteil an der „Deutschen Union" genommen habe; in der Nummer vom 23. Mai Mangelsdorff, daß er nach seiner deutlichen Erklärung über Eid und unbekannte Obere nicht erwartet hätte, seinen Namen in der Liste zu finden.