Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 2
- Article
- Vor hundert Jahren
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 6)
- Language
- German
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190 Geiger: Vor hundert Jahren. Zur Thätigkeit der Juden gehört damals in erster Linie das Geld- und Wechselgeschäst'). Es ist nun nicht uninteressant, zu verfolgen, wie Einzelne derselben in ähnlicher Art wie der Ebengenannte zu einer gewissen offiziellen Stellung gelangten. So war Jsaac Daniel Jtzig^) Hofbankier — gewiß kein bloßer Titel — und manche jüdische Kaufleute oder Bankiers hatten, wenn auch wol nicht als angestellte, so doch als anerkannte Kollek> teure bei der preußischen Lotterie zu thun. Daß dies der Fall ist, geht aus dem Umstände hervor, daß in den amtlichen Verzeichnissen der Direktion viele genannt werden, als in deren Kollekten Gewinne gefallen sind. Aus derartigen Verzeichnissen (Boss. Ztg. 14. März, 7. April, 12. Mai, 29. Okt., 5. Nov. 1789) stelle ich folgende Namen jüdischer Kollekteure in und außerhalb Berlins zusammen. In Berlin: Burgfeld, 8. S. -Bütow, S. David, B. Ephraim, Lazarus Hanau, David Hirsch, Aron Levin, Jak. Meyer, S. Moses, Nathan L. Oppenheimer, Joel Sachs, Levi Sachs, D. Veit; in Emden: E. I. Levy; in Frankfurt a. O.: R.Hirsch; in Friedland: Nathan; in Halberstadt: I. Susmann; in Hamm: Isaak; in Luckenwalde: Moses; in Potsdam: Joel Israel, Selig Moses; in Schwelm: M. Juda; in Wesel: I. Gerson; in Wittmund: I. Moses; in Zehdenick: Hirsch. Der eine derselben, welcher (Voss. Ztg. 4. April 1789) der „entwichene Schutzjude und Lotterieeinnehmer David Veit" genannt wurde, muß das Geschäft im Großen betrieben haben: die von ihm angestellten Untereinnehmer werden aufgefordert, sich bei der Lotteriedirektion zu melden. — Einen unbekannten Interessenten „erinnert" Bielefeld, Schutzjude und Lotterieeinnehmer allhier (Voss. Ztg. 5. Mai 1789), sich seinen Gewinn abzuholen. Wie in einem der letztgenannten Fälle, so hatten sich auch sonst manchmal die Zeitungen und, fügen wir nur gleich hinzu, die Gerichte mit flüchtigen und bankerotten Juden zu beschäftigen. Nur einer dieser Fälle mqg hervorgehoben werden. In einem Steckbrief gegen einen in der Berliner Hausvoigtei inhaftiert gewesenen Prenzlauer Schutzjuden Caspar Jacob heißt es: „Er ist ohngefähr 45 Jahr alt, kleiner Statur, nicht stark, hat ein blasses Aussehen, vorzüglich große Nase, rotes Haar, trägt eine Perücke, keinen Bart, braucht stark Schnupftaback und führt deswegen eine große Tabacksdose bei sich; er spricht durchgängig in einem sehr freundlichen Ton und demonstriert stark mit der rechten Hand; er geht sehr grade und thut sehr stolz." In der Nummer vom 26. März (wiederholt 2. April) wird eine Belohnung von 200 Thlrn. für seine (Anlieferung versprochen. Ein neues Edikt des Polizei-Direktoriums vom 3. April fordert denjenigen, bei dem sich der Genannte aufhalte, zur sofortigen Anzeige und Auslieferung auf, widrigenfalls der Hehler mit Festungsstrafe belegt „und wenn er ein Jude ist, noch überdem seines Schutzprivilegii verlustig gehen soll." Ueber sein Vermögen wird der Konkurs verhängt (16. April.) Vgl. einzelne Notizen darüber a. a. O. S. 144. 2) Nicolai, Beschreibung I, S. 350 nennt ihn und Ephraims Erben als die einzigen wirklichen jüdischen Bankiers.