Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 2
- Article
- Vor hundert Jahren
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 189 (sequence 5)
- Language
- German
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Geiger: Vor hundert Iahren. 189 Eine fernere Korrespondenz derselben Zeitung aus Wismar (26. Sept.) meldet, daß der Generalgouverneur von Schwedisch-Pommern, Fürst von Hessenstein, seine Aufmerksamkeit auf die bessere Erziehung der Judenkinder richte und „in dieser Absicht dem Rektor Großcurd zu Stralsund') den Auftrag gegeben habe, einen zweckmäßigen Plan dazu zu entwerfen." Für die Verhältnisse jener Zeit charakteristisch ist folgende Anzeige — ähnliche finden sich öfters — in der Voss. Ztg. 17. Sept.: „Es sind zwei silberne Deckel auf kleine Ragoutöpfe verloren gegangen, auf dem Deckel ist eine Frucht. Die Herren Goldschmiede und die löbl. Judenschaft werden ersucht, wenn sie zum Verkauf oder Taxieren gebracht werden sollten, sie anzuhalten und bei dem Goldschmied Goebel gegen eine billige Belohnung anzuzeigen" 2). Ueber nicht-berlinische jüdische Verhältnisse berichtet St. 122 vom 10. Okt., in Fulda sei die Verordnung erneuert worden, „daß alle Kontrakte zwischen Christen und Juden ungültig sein sollen, wenn sie nicht wenigstens in einem Zeitraum von 9 Tagen bei den Beamten des kontrahierten Christen eingereicht, untersucht, kontrollirt und bestätigt worden sind." Eine Wiener Korrespondenz vom 7. Okt. (Voss. Ztg. 20. Okt., St. 126) daß den Juden Ankauf von Staatsgütern bei Versteigerungen gestattet sein solle; doch dürfen sie weder ihren Glaubensgenossen Gewerbe zuteilen noch dieselben außer ihren Familienmitgliedern auf dem Lande wohnen lassen. 1789 (Voss. Ztg. 6. Juni) wird Gottschalk Samuel Levin ^), auch Gottschalck Helfft genannt, zum ordentlichen Agenten beim Kriegs- und Domänendirektorium ernannt „in -Betracht, daß er seit vielen Jahren die Aufträge verschiedener hiesigen und auswärtigen Juden und Judenschaften in ihren Privilegien und Gnadenangelegenheiten mit Treue und zur Zufriedenheit derselben besorget hat." reichten Bittschrift" übersetzt. Die Übersetzung erschien auch separat, Berlin, Spener. Vgl. Allg. v. Biblioth. Bd. 113 S. 280. Friedläuder bemüht sich dabei gegen Schlö'zer zu polemisieren, der in seinen „Staatsanzeigen" sich über die Schrift der Straßburger ungünstig geäußert hatte. — In der in der ersterwähnten Sammlung mitgeteilten Rede Gregoires wird die Frage, ob die Juden Soldaten sein sollen, behandelt und bejaht. Dabei heißt es S. 119: „In der Berliner Zeitung werde auch einmal das Gewissen der in Kaiserl. Diensten getretenen Juden über diesen Punkt beruhigt" und in der Anmerk. d. Uebers. dazu „Vermutlich meint der Verf. die Rede des Rabbiners zu Prag, die er den jüdischen Enrollirten hielt." Ueber diesen Rektor Chr. Heinr. Großcurd (1747—1806, Rektor von 1799 bis 1804) vgl. E. Zober, Zur Geschichte des Stralsunder Gymnasiums 5. Beitrag, Stralsund 1859, S. 42—44, 65 sg. Unter seinen Schriften werden aber nur Übersetzungen aus dem Schwedischen, Reden und Schulschriften erwähnt, nicht aber das Gutachten, dessen im Texte gedacht wird. Es ist ebensowenig bei Mensel, Lex. der jetzt leb. Schriftst. II, 675 fg. angeführt, wo man sonst eine Anzahl Ergänzungen zu G.'s schriftstellerischen Versuchen findet. 2) Zum Verständnis dieser Notiz muß darauf hingewiesen werden, daß damals die gesamte Judenschast für Diebstähle solidarisch haftbar war; eine ungemein drückende Bestimmung, um deren Abschaffung sich die Berliner Aeltesten vergeblich bemühten. Vgl. m. Gesch. d. I. in Berlin II, S. 108—117. In dem Jahrg. 1789 und 1790 der Berliner Zeitungen finden sich nicht selten Anzeigen von Juden des Inhalts, dieser oder jener Gegenstand sei von ihnen als verdächtig angehalten worden, der Eigentümer möge sich daher melden. s) Vielleicht der Vater der in Gesch. d. I. Berlins II, 145 unter dem 14. Apr. 1789 genannten vier Kinder. 13"°