Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 2
- Article
- Vor hundert Jahren
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 3)
- Language
- German
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Geiger: Vor hundert Iahren. 187 Auf diese Berufung der österreichischen Juden zum Militärdienst beziehen sich zwei in mein Exemplar der Dohm'schen Schrift — welche bekanntlich ein Kapitel der Betrachtung über die Tauglichkeit der Juden zum Kriegsdienst widmet — eingeschriebene Gedichte, die aber zu schmutzig sind, um hier mitgeteilt zu werden. Ueber dieselbe Angelegenheit handelt ein „authentisches Schreiben aus Prag" (Voss. Ztg. 28. Mai 1789). Es schildert eine Szene, die bei der Aushebung von 25 Juden zum Militärsuhrwesen stattfand. Der Rabbiner fuhr, so meldet der Berichterstatter, in die Kaserne, hielt den jüdischen Soldaten eine Rede, in welcher er sie zum Gehorsam gegen den Kaiser und zur Treue gegen ihre Religion und gegen deren Gebräuche aufforderte. Ein Passus der Rede lautet: „Erwerbt euch und unserer ganzen Nation Dank und Ehre, damit man sehe, daß auch unsere bisher unterdrückte Nation ihren Landessürsten und ihre Obrigkeit liebt und ihr Leben im Fall der Not aufzuopfern bereit ist." Der Briefschreiber konstatiert den rührenden und erhebenden Eindruck, den die Rede und die ganze Szene auf alle Anwesenden machte. — Eine fernere, auf denselben Gegenstand bezügliche Nachricht (Voss. Ztg. 13. Juni, in einer Korresp. aus Frankst, a. M.) meldet: „Von den Juden, die in den kaiserlichen Armeen dienen, haben sich einige bereits durch ein sehr gutes Betragen ausgezeichnet. Der Prinz von Hohenlohe hat einen, der im vorigen Jahre bei den Szekler Husaren Dienste nahm, weil er vielen Mut zeigt, zum Wachtmeister avanciert. Zwei andere, die bei ihren Regimentern schon Unteroffiziere waren, sind als Lieutenants bei dem Vukassowichischen Freikorps angestellt worden." Freilich heißt es dann auch (Voss. Ztg. 23. Juni, Korresp. aus Oesterreich) daß in Prag ein Jude desertierte und Spießruten laufen mußte. „Einem besondern Befehl des Kaisers zufolge", meldet die Voss. Ztg. vom 23. Juli, „können künftig die Juden, die bisher nur bei dem Fuhrwesen Dienste thaten, auch als Soldaten angestellt werden; doch soll dabei keine Gewalt, sondern blos Ueberredung statthaben." Auch sonst ist die'Vossische Zeitung der Jahre 1788 und 1789 für die Geschichte der Juden merkwürdig genug. Ein Bericht aus Utrecht meldet, daß deutsche Juden dort zum Wohnen zugelassen seien. Ein Brief aus Paris zeigt an, daß der König den Minister Malesherbes beauftragt habe, Vorschläge zu thun, wie man die Juden dem Staate nützlich machen könne, und eine Anzeige der kurmärkischen Domänen- und Kriegskammer vom 24. Juli macht bekannt, daß auf Befehl des Königs die ausländischen jüdischen Handelsleute, sobald sie zur Frankfurter Messe reisen, gleich den inländischen Schutzjuden vom bisherigen Leibzoll befreit bleiben sollen. Dem Setzer scheint das so wunderbar vorgekommen zu sein, daß er das Wort „befreiet" zweimal hintereinander setzteI Indessen über diese für die Juden so ungemein wichtige, wenn auch freilich damals noch nicht völlig ein- und durchgeführte Maßregel, die Abschaffung des Leibzolls (vergl. m. Gesch. d. Juden II, S. 172), weiß die Zeitung nichts Weiteres zu sagen'). Ueber die Art, wie bei solcher Gelegenheit die Juden behandelt zu werden pflegten, vgl. die Schilderung eines Zeitgenossen in dem Sammelwerk „Berlin im J. 1786," Berlin 1886 S. 8 ff. Zcitschr. f. d. Gesch. d. Juden i. Deutscht. III. 13