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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1889-01-01 · Heft 2 · p. Seite 181

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1889
Issue
Heft 2
Article
Zur Geschichte der Juden in Deutschland
Date
1889-01-01
Page
Seite 181 (sequence 23)
Language
German
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Wolf: Zur Geschichte der Juden in Deutschland. 181 Hierauf scheint die Sache 1610 zum Abschlüsse gekommen zu sein und wurden wohl in erster Linie die Einheimischen berücksichtigt. Die Hanauer benahmen sich auch später gehässig gegen die Juden. Die Geistlichen predigten 1627 gegen sie und erklärten, daß der Krieg, der damals geführt wurde, eine Strafe Gottes sei, weil die Juden in Hanau und an anderen Orten geduldet werden. Die Hanauer Juden wendeten sich in ihrer kritischen Lage an die Juden in Wien um Beistand und diese schritten bei Kaiser Ferdinand II. ein. Dieser erzkatholische Monarch nahm die Juden gegen die katholische Geistlichkeit in Schutz. Das Weitere hierüber vergl. in: „Ferdinand II. und die Juden" S. 10 und Beilage VI S. 46. Uebrigens trug man sich zu jener Zeit, wie so oft vor und nachher mit dem Gedanken die Juden aus Frankfurt zu vertreiben; doch der Reichshofrat erklärte sich 11. Okt. 1612 auf das entschiedenste dagegen. Die Judenschast in Frankfurt habe starke Privilegien, daß sie ohne Borwißen des Kaisers aus keinem Orte, wo sie Synagogen haben, vertrieben werden sollen und da die Juden in Frankfurt die „Fürnehmsten" im Reiche sind, so sollen die von Frankfurt nicht Macht haben sie abzuschaffen so lange Juden im Reiche sind. Der Reichshofrat sendete dieses Votum an den Kaiser mit folgender Bemerkung: „Hma causa Gratias et nona xstitio ästur aä Oaesarsiv eum voto und mögte gegen eine reeowpeus geschehen". Ob diese Recompens geleistet wurde und wie hoch sie war, wissen wir nickt. Es erfolgte hierauf das Mandat des Kaisers Mathias, Prag 13. Nov. 1612 (vgl. „Ferdinand II. und die Juden" S. 30). Wie hier die Juden zu Wien zu Gunsten der Juden in Hanau intervenirten, so traten die Nettesten der Juden in Prag am 3. Jänner 1598 für ihre Glaubensbrüder in Emden in Ostfriesland beim Kaiser ein. Die Nettesten der jüd. Gemeinde in Prag wurden, wie man weiß, vom Kaiser eingesetzt (vergl. Zeitschrist I, 309, „Gemeindestreitigkeiten zc."). Dieses Moment betonen die Nettesten Eingangs der Bittschrift. Sie weisen dann darauf hin, daß die Juden Privilegien von den Kaisern, Päpsten und Concilien haben, in welchen ihnen u. a. gewährt wird, daß niemand eigenmächtig gegen sie vorgehen dürfe und weder Jude noch Jüdin auf bloßes Angeben ihrer „Widerwärtigen" an ihrer Person, an ihrem Leben, an Hab und Gut eigenmächtig vergewaltigt, gepeinigt gemartert oder vom Leben zum Tode gerichtet werden dürfe, sondern derartige Klagen dem Kaiser zur Entscheidung vorgelegt werden sollen. Nichts destoweniger haben sie, die Nettesten, von Glaubensgenoßen, die von der Leipziger Meße zurückkamen, erfahren, daß man einige Juden, die zu Emden in Ostfriesland wohnen, nämlich Maier, Thehfuß (Feiwesch oder Phöbus) und Seligmann gefänglich eingezogen habe. Die Ursache weshalb dieß geschehen, sei unbekannt. Da jedoch in jüngster Zeit daselbst zwei vornehme Personen, Bürger gefänglich eingezogen wurden, die durch den Scharfrichter „gewaltiglich angegriffen und vom Leben zum Tode gerichtet wurden, so erwacht die Sorge, daß die genannten Juden etwa durch Aufrüttelung ihrer Mißgünstigen" rasch von einem ähnlichen Geschicke heimgesucht werden. Da

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