Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1889-01-01 · Heft 2 · p. Seite 175

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1889
Issue
Heft 2
Article
Zur Geschichte der Juden in Deutschland
Date
1889-01-01
Page
Seite 175 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2259275-2259329-2259332-2263993--1110-2264102
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Wolf: Zur Geschichte der Juden in Deutschland. 175 Helten den Juden freundlich zeigte ^). Unterschrieben ist dieses Gesuch von „Samuel Jud". Tatsächlich nahm sich der Cardinal der Burgauer Juden an und schrieb an den Kaiser: „Allerdurchleuchtigster:c. allergnädigster Herr!" Um was für eine Zntercesston an Ew. R. K. M. ich durch die Gemein unter den Herren und von Adel in der löblichen Markgrafschaft Burgau wohnhafte Juden durch ire mir überreichte kuxxlieatiou höchsten Fleißes angelangt worden, das geruhe Ew. K. M. ob derselben beigefügten suxMeiren und anderen Schriften mit mehreren allergnädigst zu vernehmen: Und wiewohl mir ganz wohlbewußt daß Ew. K. M. ohnedies und einiges mein Hinzuthun diesem armseligen Völklein alle kaiserliche und königliche höchst angeborenen Gnaden allergnädigst erweisen werden, nichts desto minder weil sie sich meiner Zntercesston getrösten und solche zu mehreren Beförderniß ersprießlich zu sein achten habe ich ihnen solches nicht verweigern mögen. Und diesem nach ist an Ew. R. K. M. meine allergehorsamste Bitte Sie gerühren und wollen besagte Zudenschaft in dero anliegen mit kaiserlichen und königlichen Gnaden allergnädigst bedenken. Ew. R. K. M. mich hiermit zu kaiserl. Gnaden allerunterthänigst empfehlend. Kremfier 22. Mai 1618. Ew. R. K. M. allerunthänigster gehorsamster Diener Kaplan und Unterthan v. Dietrichstein. Der Schritt des Cardinals war von durchschlagendem Erfolge. Sämmtliche Wünsche der Juden wurden vollständig erfüllt. Kaiser Mathias erließ Wien 27. Aug. 1618 ein Mandat, in welchem er erklärt, die Juden seien mit „sonderbaren" Privilegien versehen, die so weit vorgehen, daß kein Stand des Reiches, unter welchem Juden geseßen und ihre Synagogen haben, Macht und Gewalt haben soll, ohne eines regierenden Kaisers Vorwissen und Bewilligung dieselben abzuschaffen, zu bekürnmeru oder zu beschweren. Aus kais. Machtvollkommenheit werden diese Freiheiten auch den Juden zu Burgau, in Neuburg, Thannhausen, Hieben, Pinzwangau, Jchenhausen und Pferfen zu Theil. Sie, die Juden, sollen da, wo sie wohnen, in ihren Handlungen, Ceremonien, Gebräuchen und Begräbnissen und sonstigen Reichsconstituüonen nicht beschwert und gehindert werden. Die Juden sollen auch mit ihrem Leib Hab und Gut in Kriegs- und in Friedenszeiten, zu Wasser und zu Land geschützt und wo es nothwendig ist mit sicherem Geleit versehen werden. Sie sollen serner nicht mit Erhöhung der Zoll- und Mauthgebühren beschwert werden und aus ihren Reisen zu Am 9. Mai 1622 befürwortete der Cardinal bei den mährischen Ständen die Verbesserung der Lage der Juden zu Nikolsburg. Doch die Stände meinten, die Lage der Juden sei sehr gut und falls eine Verbesserung eintreten sollte, so könnte diese nur aus Kosten der Stände geschehen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.