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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1889-01-01 · Heft 2 · p. Seite 165

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1889
Issue
Heft 2
Article
Zur Geschichte der Juden in Deutschland
Date
1889-01-01
Page
Seite 165 (sequence 7)
Language
German
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Wolf: Zur Geschichte der Juden in Deutschland. 165 Die Rabbiner waren oft Mitglieder der Steuerkommission. So fungirte Jomtob Lipmann Heller (Verfasser der Tossafot Jomtob) in Prag in dieser Eigenschaft, was mit eine Ursache war, daß er in den Kerker kam, da gegen ihn Klagen erhoben wurden, daß er nicht nach Recht vorgegangen sei t). In gleicher Weise liegen Belege vor, daß Gerson Onlif Aschkenasi, der zur Zeit der Vertreibung der Juden aus Wien 1670 daselbst als Rabbiner fungirte, Mitglied der Steuerkommission war^). Es war dieß jedoch nicht immer der Fall, der Rabbiner wurde vermuthlich nur deshalb zu dieser Funktion beigezogen, weil man annahm, daß durch ihn eine gerechte Verteilung erzielt werde. Daß die jüdischen Quellen über die Ernennung der erwähnten Oberrabbiner schweigen, läßt sich entweder aus dem ungeschichtlichen Sinn früherer Generationen oder aus dem Umstand erklären, daß die Juden eben doch nur den als Rabbiner anerkannten, den sie selbst gewählt hatten. II. Zosel Roßheim (Loans). Von Jose! Roßheim, dem Vertreter der Juden bei den deutschen Machthabers während eines halben Jahrhunderts und darüber sind nur wenige Aktenstücke vorhanden, eine Bürgschaftsurkunde in Betreff der Juden in Baiern vom 1. Juli 1551 und das Fragment eines Brieses an Eginloff von Rappelsheim vom Jahre 1553 (vergl. Graetz Geschichte IX, 55 Anm.) Wir wollen hier ein Bittgesuch an den Kaiser slus äaw aber jedenfalls nach dem Jahre 1544 in Angelegenheit der Juden veröffentlichen; dabei ist jedoch folgendes vorauszuschicken. Es kamen in früheren Zeiten nicht selten Fälle vor, daß Juden im Besitze von Originalurkunden von Monarchen waren, in welchem ihnen Rechte und Privilegien gewährt wurden. Man legte damals keinen großen Werth auf Archive, wie wir dieses in unserer „Geschichte der k. k. Archive in Wien" sattsam nachgewiesen haben. Den Juden mußte jedoch daran liegen in den Besitz derartiger Urkunden sei es im Original, sei es in getreuer Abschrift zu gelangen, um im gegebenen Falle den Nachweis ihrer Privilegien und Rechte führen zu können. Wie sie in den Besitz derselben gelangten wissen wir nicht; wahrscheinlich war es ein goldener Schlüssel der ihnen die Thören öffnete und mögen auch die Kosten nicht sehr groß gewesen sein, da wie bemerkt kein großer Werth auf die Vollständigkeit der Archive gelegt wurde. In solcher Weise kommt es, daß hier im geheimen Haus-, Hof- und Staatsarchiv (vergl. meine Geschichte der Juden in Wien S. 10 Anm.) die Originalurkunde Rudolfs von Habsburgs, Gemünd 16. Oktober 1274, vorhanden ist, welche entschieden im Besitze eines Juden war. Auf der Rückseite der- ') G. Wolf, Ferdinand N. und die Juden, S. 18. 2) G. Wolf „die Juden in der Leopoldstadt", S. 78. 3) E. Carmoly, der aus der Familie Roßheims oder Loans abstammte, veröffentlichte über denselben Artikel in Jost's: „Isr. Annalen" I. Nr. 4. und in „I^a. Trance iZraelits". In jüngster Zeit sind auch auf diesem Gebiete zahlreiche Publikationen erschienen und verweisen wir auf den Artikel „Joselmann von Rosheim und seine Nachkommen" von M. Stern oben IN, 65, wo auch die Litteratur angegeben ist.

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