Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Deutschland
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 161 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wolf: Zur Geschichte der Juden in Deutschland. 161 Franken übertrug 1457 das Amt eines Oberrabbi für das ganze Land dem Juden Jakob zu Rothenburg. Karl V. (vergl.: Ernst Weyden Geschichte der Juden in Köln S. 180) beauftragte den Grafen Felix von Werdenburg behufs Eintreibung des güldenen Opferpfennigs einen „Oberrabbi" oder „Allrabbi" für die ganze Judenheit des Reiches zu kiesen, um in des Kaisers Namen diese Steuer einzutreiben. Einen ähnlichen Fall unter Ferdinand I. 1557 habe ich hervorgehoben (Ztsch. I, S. 316 A.). Dies das in Druckschriften vorliegende Material; aus dem Wiener geheimen Haus-, Hof- und Staatsarchive läßt sich folgendes un gedruckte entnehmen. Zunächst ein Bittgesuch (xraes. 21. Juni 1559) der Juden in Burgau, in welchem sie bitten, daß es ihnen gestattet werde Jakob aus Worms (Neffen von Lewa ben Bezalel) zum Rabbiner aufzunehmen. Sie berufen sich darauf, daß ein derartiger Vorgang zuvor allerwegen eingehalten wurde und ein altes Hekommen sei. Der Wortlaut dieses Gesuches ist^): „Allerdurchlauchtigster, Allergnädigster Herr! Euere Römische K. Majestät geben wir allerunterthänigst zu erkennen demnach an Ew. R. K. M. von derselben Vorfahren am heil. Reiche deutscher Nation Römische Kaiser und Könige hochlöblichen Gevächtniß völlige Macht und Gewalt gemeine JüdischheiL so im heil. Reich wohnend und gesessen wie sie dann Ew. K. M. derselben und sonst niemand anders unterworfen und zugehörig kommen, daß Ew. K. M. ihnen einen obersten Rabbi fürzunehmen zu verordnen und zu setzen wie das solche Freiheit zuvor allerdings von allen Ew K. M. Vorfahren am Reiche römischen Kaisern und Königen auch sonderlich von derselben geliebten Bruder und Herrn weiland Kaiser Karl V. seligsten Gedächtnis gedachten gemeinen Zudenschaft verschiedener Jahre zu Worms, auch allergnädigst ertheilt, gesetzt und gegeben worden nach laut hierneben liegender Copie?) dadurch von viel Widerwillen zwischen uns Juden und auch gegen Christen verhütet und abgelegt würden. So gelangt an Ew. R. K. M. unser allerunterthänigstes und demüthigstes Anrufen und Bitten, dieselben wollen nunmehr als regierender röm. Kaiser aus kaiserl. Milde, Machtvollkommenheit und altem Herkommen nach dieweil Ew. R. K. M. uns zuvor unsere habenden Privilegien und Freiheiten allergnädigst confirmirt und bestätigt und unser oberster Rabbi mit Tod abgegangen, uns wiederum einen anderen Rabbi nämlich Jakob Jud Rabbi zu Worms zu einem obersten Rabbi allergnädigst fürnehmen, setzen, verordnen und wie von Alters her bestätigen dadurch dann wie gemeldet großer Widerwille verhüt(et) und Ew. K. M. viel Anlaufens überhebt werden. Darum Ew. r. k. M. lang Leben, Gesundheit, Wohlfahrt, glückliche und löbliche Regierung Gott den allmächtigen zu bitten, wollen wir sammt und sonders in unserem allen Armen tägliches und schuldigen Gebet gethan nit mehr vergeßen. Ew. r. k. M. unterthänigste und gehorsamste gemeiner armen Jüdischheit Gesandten." Das Schriftstück wird in neuer Orthographie mitgetheilt- -) fehlt.