Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1889-01-01 · Heft 2 · p. Seite 156

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1889
Issue
Heft 2
Article
Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Juden im dreißigjährigen Kriege
Date
1889-01-01
Page
Seite 156 (sequence 27)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2259275-2259329-2259332-2263992--1090-2264083
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

156 Kracauer: Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Juden Abraham Helle gern gesehen und so angesehen bei den Frauen, daß er sogar Heiraten zwischen Christen vermittle. „Aber Leibeskur geht nicht an ohne Seelenkur, daran zweifeln leider auch die regierenden Kreise. Lieber mit Gottes Willen krank, als durch des Teufels und durch verbotene Mittel gesund. JudenärzLe gebrauchen, heiße nichts anderes, als Schlangen im Busen wärmen und Wölfe im Hause aufzieht!." Beim Weggang des Josef Delmedigo bewarb sich Salomon Bing (Binger) um die Zulassung als Arzt in Frankfurt. Er war der Sohn eines Arztes aus Bingen. Dieser hatte ihn frühzeitig zu seiner weiteren Ausbildung nach Mainz, Prag, Padua geschickt. Hier erwarb er sich den Doktorgrad. Nach Deutschland zurückgekehrt, war er einige Zeit Assistent des Delmedigo, dessen Schwiegersohn er später wurde. Wahrscheinlich aus dessen Verwendung hin erlangte er auch die Stättigkeit. Der Vorschrift gemäß legte er zunächst seine Zeugnisse vor und unterwarf sich einem Kolloquium, „wozu doch eigentlich nur fremde Aerzte, die sich hier einzuschleichen versuchten, verpflichtet seien, nicht aber Bürger und Hintersassen" Der Bescheid der Prüfungskommission ließ lange auf sich warten; endlich gestatteten sie ihm die Praxis, aber nur bei den Juden und auswärtigen Christen 2). Auf seinen Protest hin gab ihm zwar der Rat die Praxis frei, doch ließ er ihn nicht in das Verzeichnis der Aerzte eintragen. Das Jahr 1650 brachte insofern eine Neuerung, als der Rat trotz aller Proteste der städtischen Aerzte Isaak Helle, einen Frankfurter von Geburt, als vierten jüdischen Arzt zuließ; man wollte ihn auch zuerst nur auf die Judengasse beschränken, aber er wies dies zurück mit der Bemerkung 2), „das wäre ja ein Schimpf für die berühmte Universität Padua, woselbst er promoviert sei; auch könne er von jüdischer Praxis allein nicht leben/' Da gab der Rat nach, doch wie bei seinem Vorgänger Salomon, „sine äesiAnations immatrleulae/' >) Mediz. idl. 30 und 31. 2) Brgm. 1645 Nov. 13. Medi;. toi. 28. 3) 1. e. 1650 und Febr. 7 und 1652 März 25, Mediz. iol. 36 und 37. ^Sein Doctordiplom vgl. unten^.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.