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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1889-01-01 · Heft 2 · p. Seite 155

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1889
Issue
Heft 2
Article
Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Juden im dreißigjährigen Kriege
Date
1889-01-01
Page
Seite 155 (sequence 26)
Language
German
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im dreißigjährigen Kriege. 155 März 1636 überreichten die Stadtärzte dem Rate eine Denkschrift, in der sie bemerkten, bei der Visitation der Apotheken und dem Besuch der Kranken hätten sie verspürt, daß die Judenärzte nicht allein gefährliche, sondern auch solche Rezepte verordneten, welche sie selbst nicht verständen. Der Rat bestimmte hierauf, daß die jüdischen Aerzte bei Verlust ihrer Praxis sich einem nochmaligen Examen zu unterwerfen hätten. Schon am 22. März^) erfahren wir den Ausfall der Prüfung; Abraham Helle und Isaak hatten sie so übel bestanden, daß sie auf die geringsten HuaestioneZ keinen Bescheid geben konnten. Deshalb verbot ihnen der Rat auf Antrag der Kommission die Praxis bei den Christen; doch in der Judengasse ward sie ihnen weiter gestattet. Beide Aerzte beruhigten sich aber bei diesem ihre Standesehre so kompromittierenden Erlaß nicht. Beide brachten eine Menge von Zeugnissen bei zum Beweis für ihre ärztliche Befähigung und erfolgreiche Behandlung der Kranken; Abraham wies sogar ein ihm vom Kaiser erteiltes Privileg vor. Da endlich gab der Rat nach, und beide durften wieder Christen in ihre Behandlung nehmen. Freilich wurde Abraham wenige Jahre später (1643) auf die Beschwerde der Aerzte hin wieder suspendiert. ^) Aber er hatte zum Glück hohe Gönner; kein geringerer, als Kaiser Ferdinand III. selbst verwandte sich für ihn beim Rate und so wurde er wieder zu Gnaden aufgenommen. Nur noch einmal erfuhr er wegen seines ärztlichen Berufes Anfeindungen, diesmal aber nicht von seinen christlichen Kollegen, sondern vom Erzbischof Anselm Kasimir von Mainz. Dessen Kommissar in geistlichen Angelegenheiten, Egidius von Brabant, war in der ärztlichen Behandlung des Abraham Helle gestorben. Der Erzbischof beschuldigte nun diesen, seinen Tod durch „ganz widrige Medikamente" herbeigeführt zu haben und bat um Untersuchung der Sache.?) Abraham ward nun vor eine ärztliche Kommission geladen, und seine Aussagen über die Behandlung des Egidius wurden protokolliert. Auf Grund derselben gaben nun die Aerzte das Gutachten ab, Abraham hätte den Zustand des Kranken als unverständiger Judenarzt entweder nicht erkannt oder aus Haß gegen die Christen nicht erkennen wollen u. s. w. Er habe somit den Tod des Egidius verschuldet; der Kurfürst möge den Fall weiter beim Rat verfolgend) Dies geschah aber nicht. Aber alle diese Anfeindungen und sogar zeitweiligen Suspendierungen vom Beruf konnten ihm die Gunst und das Vertrauen des christlichen Publikums nicht entziehen. Besonders beim weiblichen Geschlecht war er sehr beliebt. Dies erfahren wir aus dem Munde seiner Gegner selbst. Das evangelische Predigerministerium klagte nämlich 1652^) dem Rat über die Beliebtheit der jüdischen Aerzte bei den Christen; besonders sei y Brgm. 1636 März 22. 2) Z. o. Juni 2, 30, Oktober 4, Nov. 29 und Dez. 22. 2) Brgm. 1643 Okt. 19. Brgm. 1647 März 25. s) Mediz. toi. 32—34. e) I. e. kol. 64. Zeitschr. f. d. Gesch. d. Juden i. Deutscht. III. 11

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