Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 2
- Article
- Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Juden im dreißigjährigen Kriege
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 154 (sequence 25)
- Language
- German
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154 Kracauer: Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Juden jeden Morgen die Christen; wie kann da Gott zu einer solchen, von einem jüdischen Arzt unternommenen Kur Segen geben? Es ist daher nicht nur ein sehr gefährliches, sondern auch der göttlichen Majestät ein sehr mißfälliges Werk, daß ein Christ einem Juden, der doch sein abgesagter Feind ist, sein Leib und Leben anvertrauen soll. Die Eingabe schließt mit der Bitte, die auch von dem Predigerministerium unterstützt ward, keine jüdischen Medikastros mehr anzunehmen und den ansässigen die Praxis unter den Christen zu verbieten ^)." Der Rat beschloß diesmal, ihrem Gesuche statt zu geben und bedeutete Abraham, sich bei Verlust der Stättigkeit darnach zu richten 2). Und dennoch widerrief schon nächstes Jahr der Rat diesen Beschluß. 1631 beabsichtigte nämlich die jüdische Gemeinde, einen Gemeindearzt anzustellen, der die Armen unentgeltlich zu behandeln habe^). Welche Gründe dafür maßgebend waren, keinen der vorhandenen Aerzte zu nehmen, wissen wir nicht. Die Wahl fiel auf einen der berühmtesten und zugleich interessantesten Vertreter der jüdischen Wissenschaft, auf Josef Salomon Delmedigo^). Er stammte aus Kandia, besuchte, wie die meisten jüdischen Aerzte der damaligen Zeit, die Universität Padua, woselbst er als Schüler Galileis sich eifrig den mathematisch-naturwissenschaftlichen Studien hingab. Sein Wissensdurst und sein Wandertrieb ließen ihn nirgends lange rasten. So durchzog er einen großen Teil der damaligen Kulturländer, unterstützt durch seine bedeutende Sprachkenntnis. Wir finden ihn in Venedig, in Kleinasien, in Egypten, Konstantinopel; schließlich setzt er seinen Stab nach Polen und wird Leibarzt des Fürsten Radziwill. Zu verwundern ist, daß ihm sein unstätes Wanderleben und die Ausübung seiner ärztlichen Kunst noch Zeit ließen zu einer umfassenden schriftstellerischen Thätigkeit. Eine Reihe von Abhandlungen mathematischen, astronomischen, philosophischen Inhalts stammen aus seiner Feder. Als nun die jüdische Gemeinde den Rat um die Erlaubnis anging ^), ihn als Gemeindearzt anzustellen, ward ihr dies bewilligt. Einen Mann, dem ein solcher Ruf vorausging, konnte er schließlich nicht zurückweisen, wie sehr auch sämtliche Aerzte wiederum petitionierten, „doch gebührendes Einsehen zu haben bezüglich der Einschleifung eines falsch genannten jüdischen Arztes Josefa). So übte er, merkwürdigerweise vollständig unbehelligt von den christlichen Aerzten, seinen Beruf sowohl bei Christen, wie auch bei Juden aus, bis er 1645 die Stadt verließ, um sich nach Prag zu begeben^). Um so schlimmer erging es den übrigen jüdischen Aerzten. Im 1) Brgm. 1630 Mai 4. 2) Z. 0. S. Horov. S. 13 ff. Das betreffende Protokoll aus dem Gemeindebuch teilt Horov. S. 16 und 17 mit. 4) S. über ihn vor allem Abr. Geigers Nelo Okofnkrjim, Grätz, Gesch. der Juden Bd. X, S. 155—162, Horov. S. 13 ff. s) Ihr Gesuch ist mitgeteilt im Anhang, s. auch Brgm. 1631 März 3. «) Mediz. W1. 26 und Brgm. 1631 Febr. 10. Im Rechenm. 1630 ist eingetragen: „Josef, Jud „zur braunen und gelben Rose" ein Arzt". y Horov. S. 25, Anm. 2.