Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 2
- Article
- Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Juden im dreißigjährigen Kriege
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 153 (sequence 24)
- Language
- German
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im dreißigjährigen Kriege. 153 er nicht würdig ist, hier in Marta e1a88e zu sitzen. — — Die Medizin ist ihm böhmische Dörfer; seine Hand ist in Uebung der ihm unbekannten Arzneikunst hochschädlich, eine heimliche oder meuchelmörderische Liea." Einmal titulieren sie ihn sogar mit „Eselskopf". Sie baten, sein Gesuch abzuweisen. Trotz dieses wenig schmeichelhaften Berichtes wurde Bemassor als Arzt zugelassen und später in die Stättigkeit aufgenommenEr weilte aber nur kurze Zeit in Frankfurt; seine anfangs wohl bedeutende Praxis nahm immer mehr ab, so daß er 1626 die Stadt verließ und sich nach Hamburg begab 2). Schon 1623 hatte ihm Isaak, „ein jüdischer Medikus", Konkurrenz gemacht. Dieser durfte aber nur in der Judengasse praktizieren ^) und blieb daher von den Anfeindungen seiner christlichen Kollegen ziemlich verschont. Dagegen zogen diese und das evangelische Predigerministerium gegen einen neu austretenden Arzt Abraham Helle (Hellen) erbittert los ^). Letzteres bat, das Gesuch „des verfluchten Juden" um Aufnahme abzuweisen, mit Ansehung dessen, daß die kaonltas meäiea ohne dies schon übersetzt und die Juden schon mehr als genügende Aerzte in ihren Gassen haben, welche den christlichen Aerzten das Brot vor dem Maule abschneiden. „Wie wehmütig und schmerzlich, fahren sie fort, kömmt es uns vor, nnnn wir zu Patienten erfordert werden, sehen zu müssen, daß zu denselben die gottlosen Juden mit Hintansetzung der christlichen weäLeorum, die doch in ihren Studien die Fundamentalexperienz vor den Juden haben, zur Kur adhibiert werden." Die christlichen Aerzte sahen auch unserem Abraham scharf auf die Finger. Als sie erfuhren, daß er gegen die Medizinalverordnung des Jahres 1612 Pillen selbst präpariert und sie den Kranken gegeben hatte, setzten sie seine Verurteilung zu zwanzig Gulden Strafe durch ^). Diesen Anlaß benutzten sie zugleich, um abermals gegen Abraham Helle und die jüdischen Aerzte loszuziehen. Sie klagen °)----„Es gäbe jetzt mehr als genug christliche Aerzte; dazu seien die zur Bestreitung der Haushaltung nötigen Kosten jetzt größer als früher; wovon in guten Zeiten fünf Medizi gelebt, davon mußten jetzt zwölf leben.---Die jüdischen Aerzte seien unwissend; könnten weder lateinisch, noch viel weniger griechisch lesen oder gar schreiben. Und dabei prahle Abraham, (der doch kein Zeugnis aufzuweisen habe), wäre er von den Patienten gerufen worden, so würde er sie geheilt haben. Nun verfluchen und lästern aber die Juden t) s. Brgm. 1618 Aug. 18; für 1618/9 zahlte er 16 Guld. 19 Schill. 2 Hell. Aufenthaltsgeld (Rechenm. 1619). 2) 1619 ward seine Frau mit 9 Gulden bestraft, „weil sie übermäßig stattliche Kleider angetragen hatte". An Abzugsgeld zahlten Bemassor und seine Frau, „weil sie gar wenig im Vermögen, eins für alles 18 Gulden" (Rechenm. 1626). 2) Sein Name ist zwar nicht genannt, doch kann damit nur der Sohn von Schlomm gemeint sein liegen Horov. S. 12^Z; s. Brgm. 1623 Aug. 5, Mediz. iol. 14—15. ..Des alten Schlomms Sohn" war nämlich Arzt und hieß Isaak. 4) Die jüdische Gemeinde berief ihn wohl gleich nach Bemassors Weggang au9 Wertheim, woselbst er bereits 20 Jahre praktiziert hatte. s) Brgm. 1630 Jan. 14 und Mediz. ko!. 22 ff. e) I. 0. ko?. 16 ff.