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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1889-01-01 · Heft 2 · p. Seite 152

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1889
Issue
Heft 2
Article
Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Juden im dreißigjährigen Kriege
Date
1889-01-01
Page
Seite 152 (sequence 23)
Language
German
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152 Kracauer: Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Juden die jüdischen Aerzte von ihren christlichen Kollegen augegriffen. Diese setzten alle Hebel in Bewegung, daß der Rat jenen die Praxis überhaupt verbiete, oder sie doch wenigstens auf die Judengasse ausschließlich beschränke. Seit 1579 mußten die jüdischen Aerzte, bevor sie zur Ausübung der ärztlichen Praxis zugelassen wurden, gleichviel, ob sie bereits von einer Universität ein Diplom erhalten hatten, oder nicht, sich vor einer aus 3 Ratsherrn und zwei Aerzten bestehenden Kommission einer Prüfung unterziehen. Eine Verordnung vom Jahre 1612 verbot ihnen, irgend eine Arzenei zu präparieren oder an fremde Personen zu verkaufen bei Strafe von zwanzig GuldenAus einer Supplikation vom Jahre 1608 erfahren wir, „daß jeder Zeit zwei Aerzte in der Judengasse gewesen seien" So finden wir auch, als die Juden nach dem Fettmilch'schen Aufstand wieder nach Frankfurt zurückkehrten, Judlin und Schlomm (auch Schlamm, Schlomo genannt) in der Gasse praktizieren (starb ungefähr 1630). 2 Jahre später bat Jakob Bemassor „aus Konstantinopel ein Jud, der Arznei Doktor", zunächst um die Erlaubnis, sich ein Jahr hier aufhalten und praktizieren zu dürfen^). In der darauf bezüglichen Eingabe ^) berichtet er, daß er eben von Venedig komme und nach Deutschland gereist sei, um die deutsche Sprache zu lernen. Gleich am ersten Tage seiner Ankunft Hierselbst ersuchte ihn die gesamte Judenschast, ihren gefährlich erkrankten Rabbiner (Josef Hildesheim) zu behandeln, und in wenig Tagen restituirte er ihm auch seine Gesundheit, wodurch er sich die Gunst der Gemeinde erworben habe. Sodann giebt er über seinen 'Studiengang Auskunft. „Von meiner Jugend an war ich bei einem sarazenischen, hochberühmten meäieo gleichsam ein servus und Leibeigner; dieser hielt mich proxter sluKularem erAa rue aSeotlonem zu stuäio meÄieinae an und schickte mich später od teüees Processus nach Padua. Dort lag ich acht Jahre dem stuäio ob und erlangte Araäus äoetoratus (wie aus beigelegtem testimouio hervorgeht). In Frankfurt wurde ich von unterschiedlichen Christen ersucht und gleichsam mit gefaltenen Händen gebeten und genötigt, indem sie prätendiert, daß aller anderer meäioorum Rat alhie nichts bishero geholfen, auch bei der Obrigkeit mich hierüber zu defendieren anerboten." Sein Gesuch wurde auch von der Judenschast dringend befürwortet. Ueber seine Prüfung berichtet die Prüfungskommission des längeren an den Rat 5). Zunächst besichtigte sie sein Doktorzeugnis und die von ihm angefertigten Rezepte. Ersteres sprach von seinen Kenntnissen in den rühmendften Ausdrücken. „Aber aus seinen Rezepten oder vielmehr „Scharteken" wollte die Kommission ersehen haben, „daß er nicht allein in liuKua latina ohne Kenntnisse und die besten Bücher nicht gelesen habe, sondern nicht einmal die Rezepte verständlich beschreiben konnte. Er ist ein grober, kuchenlateinischer baekaut, xriseianovaxulaut (!). Er macht so grobe grammatikalische Schnitzer, daß 1) Medizmalakten Tom 23, kol. 1. Horov. S. 8. 2) Z. e. S. 11. Judlin stirbt 1632. S. Grabstein s. Hör. 1. e. Anmerk. 1. 5) Brgm. 1618 Aug. 13. Mediz. W1. 4 und 5.

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