Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 2
- Article
- Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Juden im dreißigjährigen Kriege
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 21)
- Language
- German
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150 Kracauer: Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Juden In einer Eingabe aus dem Jahre 1638 heißt es: „---Durch das langwierige beharrliche Kriegswesen, wie auch die übergroße schwere Teuerung sind wir dermaßen erschöpfet und ausgemattet, daß wir dadurch nicht allein in überschwere und unablöschliche Schuldenlast geraten, die Interessen davon nicht entrichten und keinen Kredit mehr haben oder erlangen, auch die obrigkeitlichen Anlagen surters zu erlegen einig Mittel mehr nicht wissen und empfinden können, sondern auch viele vor großer Hungersnot albereit davon gezogen, gestorben und verdorben. Das über¬ Haufe klegliche Wimmern, Winseln nnd Wehklagen vieler armen Wittiben und Waisen und Anderer, welches wir täglich mit Bestürzung anhören müssen, wie auch sonsten der Jammer, die Not und das Elend ist so groß, daß es mit Worten genugsam nit auszureden oder zu beschreiben ist." In einer andren Supplikation ebenfalls aus dieser Zeit lesen wir: „--— Diejenigen Juden, welche fremden Personen auf Handschriften getraut, sind zugleich mit ihren zu Grunde gegangenen Debitores zu Boden gesegelt und an den Bettelstab gesetzt worden, daß sie durch den schwarzen Hunger, welchen sie mit Weib und Kind länger nicht erdulden können, haufenweise aus hiesiger Stadt nach Polen und andren fremden Orten verjagt und vertrieben worden sind. Die andern aber, so hiebevor mit Kaufleuten und hiesigen Bürgern gehandelt haben — Gott erbarm es —, haben mit fast gleichmäßigem Jammer und Wehmut erfahren müssen, daß die Handelsleute durch erlittenen Straßenraub, Plünderung und Versperrung der Kommerzien aufs äußerste verderbt und dermaßen zugerichtet worden, daß dieselben verdarben, zum Teil sallirten, und alle hiesige Messen daher ganz und gar in Abgang geraten sind.--Dazu haben wir noch eine Menge von Witwen (60) und über 80 verarmte und gebrechliche Männer zu ernähren. Aber auch die übrigen Hausgesässe sind so konditionirt und beschaffen, daß sie durch tägliches Rennen und Laufen ihres Leibes Unterhalt kümmerlich verdienen." Nur ein Geschäftszweig blühte gerade infolge der kriegerischen Zeiten: der Pferdehandel. Als bei Gelegenheit der Jmmelschen Kommission ') 1640 der Rat die Zahl der Händler feststellen ließ, gab es deren neun. Nicht unerwähnt lassen will ich einen jüdischen Frankfurter Soldaten aus dieser Zeit: Männle „zum schwarzen Mohren." Er nahm den Namen Emanuel Mohr an, trat in die Reihe der städtischen Söldner und wurde als solcher vereidigt. Bei einem Streifzug ward er von spanischen Truppen gefangen genommen und nach Homburg gebracht. Auf die Frage des feindlichen Offiziers, ob Frankfurt sich bald ergeben würde, äußerte er, mit 30 oder 40 Musketieren wollte er leicht die städtischen Bollwerke erobern. Nach Frankfurt zurückgekehrt, wurde er deswegen des Verrates angeklagt und vor das Kriegsgericht gestellt. Da Zeugen seine Aeußerung beschworen, ward er wegen Verletzung seines Eides „zur wohlverdienten Straf und anderen zum abscheulichen Beispiel" an der Justiziell vor der Katherinenpforte mit dem Strange hingerichtet und unter dem Galgen begraben ^). ') S. Abschnitt ..äußere Geschichte". -) s. Brgm. 1635 März 26, 31, April 2 und 7, Urjichtenbuch 1635 S. 312