Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 2
- Article
- Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Juden im dreißigjährigen Kriege
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 19)
- Language
- German
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148 Kracauer: Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Juden von sollen wir Juden denn überhaupt leben? Bei den jetzigen Kriegslasten, wo aller Handel und Wandel gesperrt ist, unsre Schulden draußen auf dem Land gehemmt, wo wir mit unsrer Nahrung gleichsam in die Stadt gebannt und, da wir weder Aecker noch Wiesen besitzen, auch kein Handwerk treiben können, die wenigsten aber mit Geld- und Wechselausleihen ihre tägliche Nahrung suchen, wo wir außerdem noch die vielen Armen unter uns zu ernähren haben und hoch besteuert sind, so wissen wir nicht, wenn uns auch dieser einzige, noch übrige Unterhalt benommen werden sollte, womit wir unser Brot erobern können", — so konnte sich der Rat diesen Thatsachen gegenüber nicht gänzlich verschließen. 1647 reichten die Schneidermeister eine neue Petition gegen die Juden ein. Sie beantragten, diesen den Verkauf von Kleidern überhaupt zu verbieten, oder ihnen nur den Handel mit alten, verpfändeten Kleidern zu gestatten, außerdem sollte ihnen das Hausieren gänzlich verboten sein. Damals fingen nämlich ans Mangel an Verdienst auch christliche Schneidermeister an, fertige Kleider zu verkaufen, behaupteten aber, daß sie dabei gegen die jüdische Konkurrenz nicht aufkommen könnten^). Die Juden blieben ihren Gegnern die Antwort nicht schuldig. Sie gaben für das Zurückgehen des Schneiderhandwerks ganz andre Gründe an: die zu große Menge der christlichen Schneider (ihre Zahl betrug damals 135) im Verhältnis zur Einwohnerzahl; die Unfähigkeit sehr vieler von ihnen, die neuen Alamodekleider anzufertigen; ihre übermäßig hohen Preise, während sich die Mischen Händler mit geringerem Verdienst begnügten, auch auf Kredit gäben und die Zahlung nicht blos abschlagsweise und in Geld, sondern auch in Wein, Früchten u. s. w. annähmen. Uebrigens bringe der jüdische Kleiderhandel der Stadt nur Vorteil. Ueber fünfzig Meister und Witwen, die sonst nichts zu verdienen hätten, würden von den Juden in Nahrung gesetzt. Bezüglich des Hausierens bemerken die Juden bei einer andren Gelegenheit 3), sie betrieben dasselbe viel weniger in der Stadt als auf dem Lande; sie dürften ja auf dem Markt oder sonstwo in der Stadt keinen Laden halten. Gestattete der Rat ihnen dieses, so wollten sie sich des Hausierens viel mehr enthalten, als die christlichen Krämer. Der Rat ging auf die Forderung letzterer, den Juden den Handel überhaupt zu verbieten, auch diesmal nicht ein; beide Parteien verwies er von neuen auf die Stättigkeit ^). Weiter den Streit zwischen jüdischen und christlichen Händlern zu verfolgen, würde den Rahmen unserer Arbeit überschreiten. Ihre Supplikation aus dem Jahre 1641 (Unterg. I. e.) muß der Rat ganz ignoriert haben. 2) Sie bemerken:---„bitterlich zu beweinen sei, daß die Juden als Erz- und abgesagte Feinde unseres Heilandes, wie auch unseres christlichen Namens und Glaubens, die mit uns nicht einen Gott noch Vater ehren, die Freiheit hätten, fremden Personen höheren und niederen Standes, sobald sie nach Frankfurt kämen, auf allen Straßen mit allerhand Waren, Tüchern, wie die Kamele und Esel beladen, entgegenzulaufen und uns so um unser tägliches Brot zu bringen." 2) Unterg. 43 in der Verteidigung gegen die Seidenhändler. Brgm. 1649 April 26.