Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 2
- Article
- Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Juden im dreißigjährigen Kriege
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 141 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2259275-2259329-2259332-2263992--1075-2264068- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
im dreißigjährigen Kriege. Weitere Gemeindehäuser sind das kalte Bad östlich von der Synagoge'), das Tanzhaus, das Wirtshaus, das Schlachthaus, das Backhaus und das „Bladerhaus" (Spital)Brunnen scheint die Gasse damals nur drei gehabt zu haben (s. Batton V, 313 und 314). Für die Pflasterung, sowie die Verwahrung der Antauchen (Kanäle), welche wohl in der Mitte der Gasse waren, hatten die Vorsteher zu sorgen, ebenso für 250 gute lederne Eimer zum Löschen bei Feuersbrünsten. Mauern schlössen die Gasse von der übrigen Stadt ab, mit der sie nur durch 3 Thore, die Bornheimer-, Woll- WM und die Mittelthorpforte am Judenbrükchen, verbunden war. Passierte Kriegsvolk die Stadt, was ja 'öfters in diesen Zeiten vorkam, so mußten die Vorsteher die Thore schließen lassen, ebenso beim Durchzug von Fürstlichkeiten. Auch während der Nacht, bei Sonn- und anderen Feiertagen blieben die Thore geschlossen, doch konnten die an letzteren angebrachten „kleinen Thürlein" geöffnet werden. Als 1616 nach Niederwerfung des Fettmilch'schen Aufstands die Juden wieder in ihre Gasse einzogen, ward auf Befehl der kaiserlichen Kommissarien an diese drei Thore ein großer, auf Blech gemalter Adler mit der Unterschrift angebracht: „Rom. Kays. Maj. und des h. Reiches Schutz." Durch das Wollgrabenthor gelangte man sofort zum Friedhof, dessen ältester Stein schon vom Juli 1272 datiert^). Ueber den Zustand der Judengasse in der zweiten Hälfte des Krieges haben wir zwei Notizen. Die eine stammt aus dem Jahre 1636, als der Rat drohte, die Einquartierungslast auch aus die Juden auszudehnen. In ihrer Bittschrift zur Abwendung dieser Last bemerken diese: „Die Gasse habe nur 180 Wohnhäuser, die mehrerteils so eng und klein seien, daß sie keine Einquartierung erleiden mögen" (Untergew. v. 14). Die andere Notiz bezieht sich aus das Jahr 1638 bei Gelegenheit der Porßschen Kommission, von welcher noch später die Rede sein wird. Die Juden stellen da dem Rat ihre bedrängte materielle Lage vor, damit er sich für sie beim Kaiser verwende. Die Judengasse schildern sie in ihrer Eingabe folgendermaßen: „Viele Wohnungen sind aus großer Armut von den Inwohnern längst verlassen worden und stehen ungebessert da, daß ein Stück nach dem S. H. Euler, das alte Iudenbad in Frankfurt am Main. Arch. f. Frkf. Gesch. und Kunst N. Fol. I, 292. 2) z 92 der Stättigkeit verbot ausdrücklich, auswärtige Juden ins Spital aufzunehmen. 3) S. Batton V, 317, Schudt, Teil 4, S. 429 ff., (S. 438 I. e. spricht von dem Gemeindeochsen, der auf dem Friedhof graste. Auf die Beschwerden einiger Christen hin bestimmte 1640 der Rat, daß fortan nur noch ein zahmer Ochse daselbst gehalten werden dürfte. S. Brgm. 1640 Juli 30 und August 13). Baerwald: Der alte Friedhof der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. im Osterprogramm 1883 der Real- und Volksschule der isr. Gemeinde zu Frankfurt. 10*