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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1889-01-01 · Heft 2 · p. Seite 138

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1889
Issue
Heft 2
Article
Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Juden im dreißigjährigen Kriege
Date
1889-01-01
Page
Seite 138 (sequence 9)
Language
German
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138 Kracauer: Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Juden der Fremden nicht verwehrt hätten; zugleich ward ihnen befohlen^), die sich ohne Erlaubnis aufhaltenden Juden sofort aus der Stadt zu weisen, oder aber für jeden Zurückgebliebenen eine gewisse Strafe zu erlegen. Doch da der Rat weder konsequent noch energisch hierbei vorging und nur einmal während des ganzen Krieges eine Visitation der Judengasse vornahm, da man andrerseits aus Mitleid den Glaubensgenossen gern einen Unterschlupf in so trüben Zeiten gewährte, so haben wir zu den uns bereits bekannten Bestandteilen der Bevölkerung auch eine nicht ganz geringe Zahl von „eingeschleiften Juden" hinzuzufügen. Die erwähnte Visitation der Gasse fand im Mai 1626 statt und ergab 95 „fremde" Juden. Leider erfahren wir nicht, was alles zu dieser Rubrik gerechnet wurde^). Aus allen diesen Elementen setzt sich also die jüdische Bevölkerung Frankfurts zusammen. Welchen Prozentsatz sie aber zur Gesamtbevölkerung bildet, darauf vermögen wir keine Antwort zu geben; das für diese Zeit zur Verfügung stehende statistische Material ist zu unvollständig^). Die Zudengasse. Gehen wir nun zu den Behausungen der Juden über. Bis über die Mitte des 15. Jahrhunderts hinaus wohnten die Juden, mit Christen untermischt, in der Nähe des Domes. Da sie aber angeblich den Gottesdienst störten und die christlichen Gebräuche verspotteten, so befahl Kaiser Friedrich m. dem Rat, ihnen andere Wohnsitze anzuweisen. 1462 erbaute ihnen dieser zwischen dem Wollgraben und der Allerheiligengasse auf seine eigenen Kosten eine Reihe von Gebäuden, aus der sich im Laufe der Zeit die Judengasse entwickelte Auf dem Belagerungsplan von 1552 sehen wir zwar schon eine doppelte Reihe von Häusern, aber die südliche, also nach dem Stadtgraben zu gelegene Seite war nur sehr lückenhaft bebaut; zwischen ihr und dem mit einzelnen Bäumen bewachsenen Stadtgraben befanden sich Palissaden. Als aber die Judenschaft sich rasch vermehrte, wurde die Palissadenreihe entfernt, der Graben zugeschüttet und so noch für Hinterhäuser Raum geschaffen. Die nordöstliche Reihe hingegen hatte nach der hintern Seite Laubhütten, von da aus bis zur Allerheiligengasse erstreckten sich große Gärten. 5) 1. e. Oktober 21 und November 13. — 1620 muß Abraham Jud „zur roten Rose" 250 fl. Strafe zahlen, weil er seinen Vater etliche Jahr lang ohne Erlaubnis bei sich beherbergt hatte, 1621 und 1623 werden eine Reihe von Juden mit hohen Bußen bestraft, „weil sie wider Gebühr" fremde Juden bei sich aufgenommen hatten. 2) Lersner Franks. Chronik III, 523. 2) S. Kriegks citierten Aufsatz. H S. Batton: Oertliche Beschreibung von Franfurt Bd. V, S. 294 ff. Die Gaffe war also städtisches Eigentum, s. Hauszins unter Abschnitt „Steuern."

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