Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 2
- Article
- Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Juden im dreißigjährigen Kriege
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2259275-2259329-2259332-2263992--1070-2264063- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
136 Kracauer: Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Juden 1641 starben 1642 „ 1643 „ 1644 „ 1645 ., 1646 „ 1647 .. 1648 .. Summa 1908 Personen, also pro Jahr 86,7; in den Jahren 1632 bis 1637 ist die Durchschnittsziffer 1S4,3 Personen. Auffallend stark ist in manchen Jahren die Kindersterblichkeit; offenbar müssen in denselben Kinderepidemien geherrscht haben. Zu den Haushaltungen gehörte auch das Gesindes. Die Stättigkeit des Jahres 1616 klagte darüber, daß die Juden überflüssig viel Gesinde hielten und bestimmte daher, „daß einem über eine Magd und Knecht der Zahl nach zu halten nicht zugelassen werde" 2). Diese Bestimmung wurde wohl oft umgangen; und so befahl der Rat 1635 den Juden sogar, all ihr Gesinde abzuschaffen 2); erst aus Bitten der Vorsteher ward den Reicheren das Halten von Dienstpersonal gestattet, das sie aber auf dem Rechneiamt anzumelden hatten. Statistische Angaben über die Zahl der Dienstboten fehlen gänzlich *). Zu der ansässigen jüdischen Bevölkerung haben wir noch hinzuzurechnen die Beisassen, die ohne Stättigkeit zu haben, in der Judengasse wohnen dursten. Der Beisitz wurde in der Regel nur auf ein halbes Jahr gewährt, dann mußte er wieder verlängert werden; ständiger Beisitz wird nur ausnahmsweise gewährt. Natürlich hatten die Beisassen eine ihrem Vermögen entsprechende Abgabe zu zahlen. Aus den Rechenmeisterbüchern, welche deren Höhe aufzeichnen, lernen wir annähernd die Zahl der Beisassen für jedes Jahr kennen. Besonders stark ist sie für die Jahre 1634 (32 Personen) und 1644 (25 Personen); sonst kommen sie nur vereinzelt vor. Zu berücksichtigen haben wir außerdem noch die Schalantzen (oder Schalatzen von seolantes?): die jüdischen Studenten. Auch sie hatten eine bestimmte Abgabe zu entrichten 5). Ihre Anzahl läßt sich nicht ermitteln. Bei der Bedeutung der Frankfurter Gemeinde, der Menge von Rabbinern daselbst und dem regen geistigen Leben bildete die Stadt einen natürlichen Anziehungspunkt für viele Studenten. Außerdem schickten wohl manche Eltern vom Lande gern ihre Kinder dorthin, um ihnen eine bessere religiöse Ausbildung angedeihen zu lassen; mithin kann die Zahl der jüdischen werden. Ich verdanke diese Liste, die leider nicht nach Geschlechtern, Altersstufen zc. geordnet werden konnte, der Liebenswürdigkeit des Herrn Rabbiner Dr. Horowitz Hierselbst. Die Stättigkeit verbot den Juden, christliches Gesinde zu halten, mit Ausnahme der „Samstagsweiber" (§ 33.). -) I. e. § III. s) Brgm. Juni 11. 4) Ueber ihre Zahl im Jahre 1703 s. Bücher S. 570. -) S. Abschnitt „Steuern". 50 Personen 67 23 29 46 40 36 55